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25.04.2017

Umweltzerstörung in Mosambik – ein Staat im Wandel zu mehr Umweltbewusstsein

Illegale Abholzungen und gesellschaftliche Verhältnisse gefährden die Umwelt in Mosambik. Mit Gesetzen und internationaler Zusammenarbeit versucht die Regierung, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Auch SODI will durch Umweltbildungsprojekte in Maputo etwas zu diesem Prozess beitragen.

Baum in Mosambik © SODI, 2017

Baum in Mosambik © SODI, 2017

Die ehemalige portugiesische Kolonie im Südosten Afrikas erstreckt sich an der Küste des Indischen Ozeans zwischen Tansania im Norden und Südafrika im Süden. Einer Messung der Weltbank zufolge waren 1990 ca. 55 Prozent des Landes mit Wald bedeckt. Bis 2015 hat sich diese Fläche allerdings auf 48 Prozent verringert.

Der Nationalpark Gilé im Nordosten von Mosambik stellt auch heute noch eines der letzten ursprünglichen Naturgebiete der Region dar und beherbergt nach wie vor viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Vor einigen Jahrzehnten war hier sogar die letzte Population Spitzmaulnashörner des Landes zu finden. Doch 20 Jahre Bürgerkrieg haben beinahe die komplette Fauna des Parks ausgerottet und die gesamte Infrastruktur zerstört. Während das Nashorn heute nur noch im Logo des Parks zu finden ist, konnte sich der Wildbestand seit dem Ende des Bürgerkriegs weitestgehend regenerieren. Doch der Park ist heute wieder stark gefährdet und Umweltschützer*innen kämpfen mit allen in ihrer Macht stehenden Mitteln um den Erhalt der verbleibenden Tier- und Baumarten. Grund dafür ist der in den letzten Jahren stark boomende Schwarzmarkt für seltene Edelhölzer wie beispielsweise den Pau Ferro. Da diese im Nationalpark von Gilé noch vergleichsweise häufig vorkommen, hat sich der Park zum Epizentrum für illegale Abholzung in Mosambik entwickelt. Allein von 2012 bis 2016 wurden knapp sechzig Lastwagen, beladen mit großen Mengen illegalem Holz, von Parkmitarbeiter*innen gestoppt.

Vor allem die enorme Nachfrage aus China ist der Grund dafür, dass sich der Handel mit dem natürlichen Holzvorkommen Mosambiks zu einem lukrativen Geschäft entwickeln konnte. 90 Prozent des Holzes aus Mosambik werden dorthin exportiert, vermutlich die Hälfte davon wird illegal beschafft. Da von der lokalen Bevölkerung, bis hin zu Polizei und Politiker*innen, viele verschiedene Ebenen in den lukrativen und illegalen Handel involviert sind, wird in diesem Zusammenhang bereits von organisierter Kriminalität gesprochen.

Lösungen für die Umweltprobleme

Umweltminister Celso Correia zufolge ist die Situation im Land das „Resultat aus Korruption, schwacher Strafverfolgung und Chinas unstillbarem Verlagen nach Holz“. Um diese Situation zu ändern, wurden seitens der mosambikanischen Regierung zuletzt strenge Gesetze verabschiedet. Für illegale Abholzung droht nun eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren, anstatt der sonst üblichen Geldstrafe. Durch weitere Reformen soll zudem eine eigene Holzverarbeitungsindustrie aufgebaut werden, um die Forstbestände nachhaltig zu nutzen und Arbeitsplätze zu schaffen. Außerdem wurden die Kriterien für die Vergabe von Abholzlizenzen verschärft und der Abbau des seltenen Pau Ferro seit Beginn 2016 für fünf Jahre komplett verboten. Entwicklungsprogramme der AFD (Agence Française de Développement) zielen zudem darauf ab, der lokalen Bevölkerung alternative Einnahmequellen aufzuzeigen.

Doch wie so oft ist die Kluft zwischen Anspruch und Praxis enorm: Um den ca. 30.000 km² großen Nationalpark von Gilé zu überwachen, wären Parkverwalter José Dias zufolge mindestens 100 Ranger nötig. Der Park kann aber nur 26 Mitarbeiter*innen bezahlen. Und so kommt es, dass 2016 mehrere Lastwagen mit illegal abgeholztem Pau Ferro verschwanden, die eigentlich unter der Aufsicht offizieller Stellen standen.

Um den neuen Regelungen Nachdruck zu verleihen, haben sich deshalb Medienvertreter*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen zusammengetan. In einem gemeinsamen Memorandum verpflichten sie sich dazu, das Engagement lokaler Kommunen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Holzbestände im Nationalpark von Gilé durch die Verbreitung der gültigen Forstgesetze zu stärken.

Auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat, ist das Überleben vieler bedrohter Pflanzen- und Tierarten im Nationalpark von Gilé und landesweit noch lange nicht gesichert. Viele Umweltmaßnahmen werden durch einen schwachen Staat, Korruption und die Perspektivlosigkeit der lokalen Bevölkerung untergraben. Es bleibt nach wie vor viel zu tun, damit der Pau Ferro nicht das gleiche Schicksal wie das mosambikanische Spitzmaulnashorn erleidet und zu einem Sinnbild für die zunehmende Umweltzerstörung in Mosambik wird.

Auch SODI leistet einen Beitrag, dieser Entwicklung entgegenzutreten. Gemeinsam mit unseren Partnern von ASDA unterstützen wir den Aufbau eines Umweltbildungszentrums im Bezirk KaMubukwana in Maputo, um das Bewusstsein für Umweltthemen in der Bevölkerung zu stärken. Insbesondere Schüler*innen sollen für die Umwelt und ihren Erhalt sensibilisiert werden und als Multiplikatoren ihre Gemeinden positiv beeinflussen. Hierzu wurden gemeinsam mit den Jugendlichen an drei lokalen Schulen Umweltclubs gegründet, die mit dem Umweltbildungszentrum kooperieren und eigene Maßnahmen umsetzen, wodurch Recycling und Umweltschutz immer mehr Bedeutung erlangen. SODI unterstützt eine nachhaltige Zukunft, in der die Menschen Mosambiks in einer intakten Umwelt leben können.