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20.06.2017

Teeanbau mit Panchakavya

Der Aufbau der Teekooperative in Tamil Nadu (Südindien) ist in vollem Gange. Mit Hilfe des neu entdeckten Traditionsdüngers Panchakavya konnte die Teequalität verbessert und der Ertrag gesteigert werden. Darüber hinaus unterstützt das Center for Tribal Rural Development (CTRD), lokale Partnerorganisation von SODI, die Teebäuerinnen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben.

Zubereitung ökologischer Dünger © SODI, 2017

Panchagavya (Sanskrit: pañcagavya n.) wörtlich: "die fünf (Pancha) Gaben bzw. Produkte der Kuh (Gavya)". © SODI, 2017

Der Alltag einer Teebäuerin ist lang und anstrengend, aber durch die Organisation in Selbsthilfegruppen und Zugang zu Wissen über organische Landwirtschaft hat sich das Leben der Adivasi nun um einiges verbessert. Sie konnten nicht nur die Ernte ihres Tees steigern, sondern haben gelernt, sich für ihre Rechte einzusetzen und sich gegenseitig zu unterstützen. Panchakavya, ein traditioneller organischer Dünger, hat Einzug gehalten. Seine traditionelle Rezeptur ist nicht neu, dessen Herstellung lernten die Teebäuerinnen aber erst während ihres Trainings. Durch den Einsatz des Düngers konnten sie ihre Ernte pro Woche von 30 bis 40 Kilogramm auf 70 Kilogramm steigern und auch die Qualität des Tees hat sich verbessert, sodass die Zwischenhändler nun mehr Geld für den Tee zahlen.

Fünferlei von der Kuh

Die Zutaten für Panchakavya sind regional vorhanden und somit für die Teebäuerinnen einfach und kostenfrei zu nutzen: Kuhdung, Kuhurin, Joghurt, Milch und Ghee (Butterschmalz). Lediglich Ghee müssen die Frauen einkaufen, aber der Gewinn, den sie durch den verbesserten Tee erzielen, ist deutlich größer als die Produktionskosten. „Das Gemisch aus den fünf Zutaten wird mit zehn Teilen Wasser verdünnt und muss zunächst 21 Tage ruhen, wobei es täglich nach bestimmten Regeln umgerührt wird“, erklärt Narayani, eine der Teebäuerinnen. Erst dann wird Panchakavya aufs Feld versprüht, versorgt dort die Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen und ist gleichzeitig ein organisches Pestizid. Von der Teebäuerin Narayani erfahren wir, dass sie Panchakavya auch schon bei anderen Pflanzen und Gemüsen ausprobiert hat: „Ich habe Panchakavya auch bei Karotten, weißem Rettich und Tomaten angewendet, die gelbe Blätter bekommen hatten. Nach wenigen Tagen waren alle Blätter wieder grün“.

Im Netzwerk mit anderen wachsen

Stolz berichtet Narayani, dass sich der erfolgreiche Einsatz des Düngers inzwischen auch schon bei benachbarten Teebäuerinnen herumgesprochen hat und sie bereits erste Kaufanfragen erhalten hätte. Die Gruppe überlegt mittlerweile, einen kleinen Vertriebshandel mit Panchakavya zu eröffnen. Dies wäre eine zusätzliche Einnahmequelle und somit ein weiterer Schritt, um die dringend notwendige unabhängige Lebensgrundlage der Frauen zu festigen. Aber nicht nur die Arbeit auf der Teeplantage ist Teil des Alltags der Adivasi-Frauen, sondern auch regelmäßige Treffen der Selbsthilfegruppen, die es in jedem Dorf gibt. Vertreterinnen jeder Gruppe nehmen an Trainings zu unterschiedlichen Themen teil, wie z.B. zu Techniken des Teepflückens, aber auch zu Gesundheitsfragen. Dieses Wissen geben die Frauen dann als Multiplikatorinnen an andere Frauen weiter. Dadurch lernen sie nicht nur voneinander, sondern bauen gleichzeitig ein Netzwerk der Adivasi-Gruppen auf.

Frauen kämpfen für ihre Rechte

Die Treffen der Selbsthilfegruppen dienen jedoch nicht nur dem Wissensaustausch, sondern auch als Raum, um über private Probleme zu sprechen und sich gegenseitig zu unterstützen. Frauen werden in Indien immer noch benachteiligt und diskriminiert. Zudem sind sie oft von häuslicher Gewalt betroffen und finanziell abhängig von den Männern. Diese Verhältnisse spiegelten sich auch wieder, als die Frauen anfingen, ihr Wissen weiterzugeben und sich zu engagieren. Vor allem die Männer wollten ihnen erst nicht zuhören. Dies hat sich inzwischen verändert. In den Gruppen lernen die Frauen auch, dass sie Rechte haben und es zum Beispiel gesetzlich verboten ist, Frauen zu schlagen. Malu, eine der Multiplikatorinnen, erzählt, dass der Austausch in den Gruppen auch das Selbstvertrauen der Frauen stärkt: „Ich glaube, die Trainings machen die Frauen stark. Ich möchte gerne eine Frauengruppe gründen. Wir müssen für unsere Rechte kämpfen.“