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26.07.2017

Bildung und Existenzgründung – Frauen gehen ihren eigenen Weg!

Das Projekt der vietnamesischen Frauenunion und SODI in der Provinz Nghe An stärkt Frauen in ihrer gesellschaftlichen Position. 90 Prozent der Teilnehmerinnen konnten ihre wirtschaftliche Situation durch eine berufliche Ausbildung deutlich verbessern.

Näherin Phuong bei der Arbeit © SODI, 2017

Phuong hat sich mit anderen Frauen zu einer Produktionsgemeinschaft zusammengeschlossen. Das Nähen bringt ihnen ein regelmäßiges Einkommen.

In der vietnamesischen Provinz Nghe An lebt knapp ein Viertel der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. In den Bergdistrikten erschweren extreme Wetterlagen und eine unzureichende Infrastruktur den Zugang zu Bildung und Einkommensmöglichkeiten.

Frauen, die einer der ethnischen Minderheiten angehören oder eine Behinderung haben, sind von jener Armut besonders betroffen. Oft fehlt es ihnen an einer Ausbildung und genügend Wissen. Nur selten erhalten sie den Mindestlohn. Hinzu kommt, dass Frauen wie die 38-jährige Lo Thi Xingh durch ihre Behinderung wenig Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten haben, jedoch natürlich gerne einen Beruf ausüben würden.

Gemeinsam mit SODI ermöglichte die Frauenunion den Frauen Kurse im Ausbildungszentrum der Provinzhauptstadt Vinh und den Gemeinden zu absolvieren. Nach ihrem Abschluss wurden die Frauen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unterstützt oder mit zusätzlichen Kursen und Kleinkrediten die Gründung eines eigenen Geschäfts vorangetrieben. Seit 2013 konnten 90 Prozent der Teilnehmer*innen ihre Einkommenssituation deutlich verbessern. Viele Gewerbe entstanden.

Ausbildung bringt nachhaltiges Einkommen 

Seit 2013 konnten 90 Prozent der 606 Frauen nach ihrer Ausbildung eine Anstellung finden oder ein eigenes Geschäft gründen. Erfreulich ist ebenfalls, dass auch die Frauen des vorherigen Projektes (2008-2011) erfolgreiche und nachhaltige Geschäfte aufbauten. „Die kleinen Nudelsuppenrestaurants, Schneidereien und andere Betriebe haben sich gut entwickelt“, sagt Susanne Wienke, Projektmanagerin-Asien bei SODI.

„Ich habe mich mit anderen Frauen zusammengeschlossen, damit wir gemeinsam Kleidung nähen und sie verkaufen können“, erzählt Phuong. Früher habe sie kein regelmäßiges Einkommen gehabt, sondern sich als Tagelöhnerin mit dem schweren Transport von Baumaterial durchgeschlagen, sagt sie. Jetzt bietet ihr ein regelmäßiges Einkommen und die Arbeit von zu Hause ein besseres Leben.

270 Frauen bekamen eine Ausbildung in Schneidern, Gastronomie oder Kosmetik/Friseur im Ausbildungszentrum. Aufgrund der familiären Situation wurden auch Kurse direkt in den Distrikten angeboten. Webereikurse, der Bau von Rattan- und Bambusmöbeln sowie Besenherstellung oder Essensproduktion erlernten 336 Frauen.

Insgesamt bildeten sich seit 2013 67 Produktionsgruppen, in denen die Frauen ein eigenes Einkommen erwirtschaften. Einige Gruppen stellen Lebensmittel wie Zimt-Honig-Reiskuchen oder Sojasauce her. Aber auch Räucherstäbchen, Holzmöbel, Hühnerzucht und Gemüseanbau sind lohnende Geschäfte. 495 Frauen nahmen an Orientierungskursen zu Arbeitsrecht, Existenzgründung und Frauenrechten teil. Ihre Geschäfte verwirklichten sie durch die Kleinkredite der Frauenunion. „Da die Rückzahlung vorherigen Mikrokredite sehr hoch war, konnten wir sogar noch mehr Frauen als ursprünglich geplant, Startkapital zur Verfügung stellen“, erzählt Le Thi Tam, Direktorin der Frauenunion. Und das war auch nötig, da mehr Frauen als erwartet in die Selbstständigkeit gehen wollten. Nach der Ausbildung werden die Frauen weiter betreut damit ihre Vorhaben nachhaltig erfolgreich sind, erklärt Le Thi Tam.

Die Kurse vermittelten Frauen ebenfalls Wissen über Themen wie z.B. den Frauenhandel. „Früher wussten die Frauen nicht, woher sie Jobangebote bekommen und begaben sich, in der Hoffnung auf ein Einkommen, oft in die Prostitution. Jetzt kontaktieren sie uns bei der Arbeitssuche oder recherchieren selbst im Internet“, erklärt Le Thi Tam.

Selbstvertrauen, Austausch und Toleranz 

Viele Frauen haben durch den Zugewinn an ökonomischer Selbstbestimmung ein höheres Selbstwertgefühl entwickelt. 50 der 606 Teilnehmerinnen haben eine Behinderung, einige von ihnen sind Betroffene von Agent Orange in der dritten Generation. „Die Frauen brauchen zwar ein wenig länger für die Ausbildung, aber sie sind engagiert. Einige von ihnen haben sogar eine Band gegründet, um an Schulen für mehr Toleranz zu werben“, erzählt Le Thi Tam, Direktorin der Frauenunion. Auch hat das gemeinsame Leben im Zentrum während der Ausbildung zu mehr Integration und Selbstwertgefühl der Frauen geführt.

Die Präsenz der Frauenunion in den Gemeinden und das ihr entgegengebrachte Vertrauen gab den Frauen einen Raum, in dem sie über gesellschaftlich schwierige Themen wie häusliche Gewalt sprechen konnten. Mit den Happy Family Clubs fand man einen Weg, über Freizeitangebote ebenfalls die Ehemänner zu Themen wie häuslicher Gewalt zu sensibilisieren und so die gesellschaftliche Position der Frau weiter zu stärken.

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