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08.08.2017

Agent Orange – Gedenktag für die Opfer

Heute am 10. August gedenken wir gemeinsam der Opfer von Agent Orange. Auch 42 Jahre nach Ende des Vietnamkrieges leiden die Menschen an gesundheitlichen Folgeschäden. SODI solidarisiert sich mit den Betroffenen.

Ho Thi Thao hat eine Lebererkrankung durch den Kontakt mit Agent Orange. Sie arbeitet gerne als Weberin im Hope Center © SODI/Dirk Wetzel, 2013

Ho Thi Thao hat eine Lebererkrankung durch den Kontakt mit Agent Orange. Sie arbeitet gerne als Weberin im Hope Center © SODI/Dirk Wetzel, 2013

Der Vietnamkrieg ist seit über 40 Jahren beendet. Doch der massive militärische Einsatz des chemischen Entlaubungsmittels Agent Orange wirft seinen Schatten bis in die Gegenwart. Erstmals wurde es von den US-Streitkräften 1965 eingesetzt, um dem vietnamesischen Widersachern die Tarnung des Waldes zu nehmen. Über 6000 Einsätze wurden während des Vietnamkrieges von den US-Streitkräften geflogen. Besonders giftig wird das Herbizid durch die Verunreinigung mit 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD) und wirkt auch wegen seiner Langlebigkeit auf alle nachfolgenden Generationen. Betroffene bilden vermehrt Krebserkrankungen aus, Kinder werden mit Fehlbildungen geboren und viele weitere Erkrankungen werden auf das Gift zurückgeführt. Ein Siebtel des Landes wurde konterminiert und somit ebenfalls große Teile des Ackerlandes unfruchtbar.

Experten sprechen von 150.000 Kindern, die seitdem mit schweren Behinderungen geboren wurden. Rund drei Millionen Menschen leiden laut der Vietnamesischen Vereinigung für Agent Orange (VAVA) und dem Roten Kreuz insgesamt unter den Folgen des Giftes. Obwohl neuere Studien einen signifikanten Zusammenhang zwischen Agent Orange und den Geburtsdefekten zeigen, gab es bis jetzt kein offizielles Schuldeingeständnis seitens der USA. Trotz des Unwillens einen Zusammenhang zu erkennen, bekommen US-Veteranen Entschädigungen für gesundheitliche Beeinträchtigungen. 2013 bewilligten die USA 100 Millionen US-Dollar für die vietnamesischen Opfer, wiesen jedoch ein Schuldeingeständnis zurück. Bei der hohen Zahl der Betroffenen ist die Summe außerdem viel zu gering. Vor allem Familien in ländlichen Regionen leben in prekären Verhältnissen.

Mit einer Ausbildung die Lage verbessern

Der ländliche Bergdistrikt A Luoi ist eines der am stärksten von Agent Orange betroffenen Gebiete Vietnams. Immer noch überschreitet die Dioxinbelastung des Bodens ein Vielfaches der Grenzwerte. Ohne Aussicht auf finanzielle Entschädigung leben die vietnamesischen Opfer und ihre Familien zum größten Teil in Armut. In dem wirtschaftlichen schwachen Distrikt fällt es Familien mit Angehörigen mit Behinderung besonders schwer, einen Weg aus der Armut zu finden. Auch die Betroffenen selber wünschen sich Selbstständigkeit.

Empowerment und eine berufliche Ausbildung stärken die gesellschaftliche Position der Betroffenen und verbessern die allgemeine Situation in A Luoi. Hierzu bilden SODI und das vietnamesischen Hope Center Frauen mit Behinderung aus und unterstützen sie auf ihrem Weg. Die Mehrheit der Frauen gehört einer ethnischen Minderheit an, wie Ta Oi, Van Kieu oder Hoa. Schneiderkurse, Weberei und Kunsthandwerk ermöglichen den Frauen ein Einkommen.

Ho Thi Thao leidet durch die Folgen von Agent Orange an einer Lebererkrankung. Mit einem monatlichen Familieneinkommen von 27 Euro, leben sie und ihre Familien an der Armutsgrenze. „Ich gebe monatlich 15 Euro allein für Medikamente aus“, sagt die 49-jährige Ho Thi Thao. Nur mit dem Kredit der Frauenunion kann sie dies bewältigen.

Vor 17 Jahren gegründet, verfolgt das Hope Center klare Ziele: „Mir ist wichtig, dass die Produkte nicht aus Mitleid mit den Frauen, sondern wegen ihrer guten Qualität gekauft werden“, erzählt Nguyen Thi Huong, die Direktorin des Centers. Aller Anfang sei schwer, bestätigt sie: „Es war für uns besonders schwierig, die von Behinderungen und Dioxin-Vergiftung Betroffenen zu motivieren. Obwohl sie arbeiten könnten, hatten sie geringes Selbstvertrauen und verbrachten ihre Tage eher mit simplen Hausarbeiten, um ihre Familie zu unterstützen. Deshalb waren wir anfangs viel mit Gesprächen in den Kommunen und den Familien beschäftigt“, erzählt Thi Huong. 2016 haben 23 benachteiligte Frauen die Ausbildung in Schneiderei, Weberei und Kunsthandwerk erfolgreich abgeschlossen. Sie arbeiten nun im Hope Center und verdienen durch ihre eigenen Produkte ein regelmäßiges Einkommen.

Dies sind kleine Schritte zur Bewältigung dieses generationsübergreifenden Unrechts.