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12.10.2017

Welternährung – lokale und ökologische Lösungen müssen her!

Die Zahl der hungernden Menschen weltweit ist 2017 erstmals wieder angestiegen, das „Null-Hunger-Ziel“ der Agenda 2030 wieder in weite Ferne gerückt. Eine traurige Bilanz zum Welternährungstag am 16. Oktober. Was können wir tun, um uns mit den Kleinbäuerinnen und –bauern dieser Welt zu solidarisieren? Denn diese sind das Rückgrat und der Schlüssel der Welternährung.

Mann arbeitet mit einer Hacke auf dem Feld ©SODI

Das Umweltbildungsprojekt in Maputo trägt zur Ernährungssicherung der Familien bei.

Derzeit leiden weltweit 815 Millionen Menschen unter Hunger. Die Zahl der Hungernden stieg somit erstmals seit zehn Jahren wieder rapide an. 2015 bekamen 777 Millionen Menschen regelmäßig nicht genügend Nahrung. Zugleich wächst die Weltbevölkerung laut Prognosen der Vereinten Nationen bis 2050 auf bis zu zehn Milliarden Menschen, für deren Versorgung die landwirtschaftliche Produktion um 50 Prozent gesteigert werden muss. Gründe für den Hunger sind neben vielen gewalttätigen Konflikten auf der Welt extreme Wetterereignisse und die Folgen des Klimawandels. Diese treffen meist die Länder des Globalen Südens, die selbst wenig zur Veränderung des Klimas beigetragen haben. Darum gilt es vor allem das globale Wissen über den Klimawandel umzusetzen und lokale nachhaltige und ökologische Anbaumethoden zu entwickeln, um die Ernährung der Kleinbauern zu sichern und ein gerechtes Nahrungssystem zu schaffen.

Ökologische Landwirtschaft und gestärkte Kleinbauern sind der Schlüssel 

70 Prozent der Weltbevölkerung leben in ländlichen Regionen, viele davon in kleinbäuerlichen Familien, die von der Subsistenzwirtschaft leben. Besonders in Afrika und Asien, den beiden Kontinenten mit dem schnellsten Bevölkerungswachstum, ist der Anteil der Kleinbauern hoch. Ihnen kommt somit eine global wichtige Rolle zu – sie sind der Schlüssel für die Bekämpfung des weltweiten Hungers. Oft fehlt es den Menschen aber an Infrastruktur und grundlegendem Wissen zu effektiven und nachhaltigen Anbaumethoden, um den Böden ausreichend Erträge abzuringen. Bildung, Bodenrechte und eine angemessene Gesundheitsversorgung sind daher grundlegende Bedingungen, um eine gerechte Welt nach den Zielen der Agenda 2030 zu schaffen. Gleichzeitig müssen regionale Märkte gestärkt werden und dürfen nicht durch europäische Exporte unterwandert werden, wie es in Afrika bereits der Fall ist. Die Stärkung der lokalen Märkte ist laut Experten wie Ulrich Jasper von der Bundesgeschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. wesentlich für die nötige wirtschaftliche Weiterentwicklung, Ernährungssouveränität und Existenzsicherung der Bauern. Souveränität bei der Ernährung befähigt die Menschen zu einer selbstbestimmten Nahrungsmittelproduktion, die sie dann auch für den Eigenbedarf nutzen. Sie zielt auf starke lokale Märkte, fairen Handel und damit gesicherte Existenzen ab. Man stellt die Menschen und nicht die Interessen der Märkte und transnationaler Konzerne in den Mittelpunkt.

Doch die fehlende Infrastruktur ist nicht der einzige Grund für die prekäre Situation der Kleinbauern, ihre Existenz wird darüber hinaus zunehmend von der industriellen Landwirtschaft bedroht. Diese benötigt immer mehr Land und nimmt wenig Rücksicht auf die lokale Bevölkerung. Zudem sind ihre Methoden in der Regel wenig nachhaltig. Chemische Dünger und Pestizide belasten die Umwelt und treiben die Bauern und Bäuerinnen immer weiter in Abhängigkeitsverhältnisse. Besonders der Einsatz von importiertem, häufig genmanipuliertem Saatgut bindet die Familien an große Agrarkonzerne – und das obwohl lokales Saatgut eine höhere Ertragssicherheit bieten kann.

Um den lokalen Umwelt- und Klimaanforderungen gerecht zu werden, gilt es die Menschen mit ökologischen Anbaumethoden bekannt zu machen und sie gleichzeitig in ihren Rechten z.B. gegenüber Landraub und internationalen Investoren, zu stärken. Eine intensive konventionelle Bewirtschaftung der Äcker führt in vielen Fällen zur verstärkten Auslaugung der Böden. Klimaveränderungen und Übernutzung machen Faktoren wie die Wasserversorgung zusätzlich unsicher und verschlechtern somit weiter die Erträge der Ernten. Um diese Probleme zu lösen, versucht die ökologische Landwirtschaft möglichst unabhängig von externen Produktionsmitteln geschlossene Kreisläufe zu schaffen, in denen Tierhaltung und Pflanzungen aufeinander abgestimmt werden. So wird versucht, durch ökologische Düngung der Bodendegradation entgegenzuwirken und Erträge durch die Anpassung an lokale Gegebenheiten und ein nachhaltiges Wirtschaften zu sichern.

Kleinbauern in Mosambik stärken

SODI solidarisiert sich mit den Kleinbauern und -bäuerinnen in Mosambik. Mosambik ist laut des Klima-Risiko-Index 2017 eines der am meisten vom Klimawandel betroffen Länder der Welt. Sintflutartige Regenfälle führten zu Überschwemmungen, während in anderen Teilen des Landes Dürren zu Hungerkatastrophen führen. Über 300.000 Menschen sind Schätzungen zu Folge allein 2015 in Mosambik vom Klimawandel betroffen. Neben Projekten zur Umweltbildung für Schüler*innen unterstützt SODI im neue gebauten Umweltbildungszentrum die Kleinbauern und – bäuerinnen mit Beratungen zu verschiedenen Anbaumethoden und Fragen der Pflanzenzucht. So wird beispielsweise die Kompostierung und Herstellung von ökologischem Dünger besprochen sowie durch einen kommunalen Kompost angewendete und Pflanzensetzlinge bereitgestellt. Die Bauern haben sich in Kooperativen organisiert, um ihre Ernährung zu sichern. Zwischen 50 und 170 Menschen bewirtschaften in den drei Kooperativen des Projektes zwischen vier und 12 Hektar Land. Unter ihnen sind überdurchschnittlich viele alleinerziehende und alte Menschen in schwierigen wirtschaftlichen Situationen, die besonders anfällig gegenüber Umweltproblemen sind. Durch ihren Zusammenschluss werden diese Unsicherheiten gemindert und eine Gemeinschaft, die sich untereinander unterstützt, entsteht. Es werden Zwiebeln, Tomaten aber auch Salat, Kohl und Kürbisse angebaut. Die Mitglieder ernähren ihre Familien von dem Angebauten und verkaufen Überschüsse auf dem Markt. Dadurch wird nicht nur die finanzielle Situation der Familien verbessert, sondern es entsteht mit den Kooperativen ein starker zivilgesellschaftlicher Akteur, der sich für die Belange der Kleinbäuerinnen und -bauern einsetzt. Zudem kann die verbesserte wirtschaftliche Lage der Familien dazu beitragen, sowohl die gesundheitliche Versorgung zu sichern, wie auch bessere Bildungsmöglichkeiten zu bieten. 

SODI steht für eine Welt ein, in der die Nahrung gerecht verteilt ist und nachhaltig produziert wird. Mit unseren Projekten zur Ernährung wollen wir unseren Teil dazu beitragen, dass auch die derzeit marginalisierten Menschen nicht hungern müssen. Dies tun wir mit Blick auf die nachhaltigen Ziele der Agenda 2030.