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30.11.2017

Serbien: Gemeindezentren erfreuen sich an Erfolgen bei Schulkindern

Die Arbeit in den serbischen Gemeindezentren durch das Roma Forum of Serbia trägt Früchte. Besonders im Bereich der Bildung wurde bis zum Beginn des neuen Schuljahrs im September einiges erreicht.

drei Mädchen machen ihre Hausaufgaben ©SODI / Nemanja Pančić

Dank der Beratungen in den Stadtteilzentren können heute viele Kinder zur Schule gehen. ©SODI / Nemanja Pančić

Miki Milović konnte mit der Hilfe des Roma Forum of Serbia (FRS) die nötigen Dokumente für seine in Deutschland geborene Tochter besorgen, um sie für die Schule anzumelden. „Jetzt kann Kristina endlich Lesen und Schreiben lernen und später vielleicht sogar studieren“, freut sich der alleinerziehende Vater.

„Es gibt eine hohe Quote von Schulabbrecher*innen unter den Roma. Besonders Mädchen sind hiervon betroffen u.a. wegen früher Ehen“, sagt Nenad Vladisavljev, Koordinator im Gemeindezentrum Novi Sad. Die Unicef spricht 2014 von 77 Prozent erfolgreicher Grundschulabschlüsse bei Roma, gegenüber 98 Prozent in der Mehrheitsgesellschaft. Laut OSZE besuchten 2016 lediglich 22 Prozent der Roma in Serbien eine Sekundarschule. Davon sind 15 Prozent Mädchen. „Ohne eine anständige Bildung können die Jugendlichen auch keine Berufsausbildung machen, die sie später nachhaltig ernährt“, sagt Vladisavljev. Um dies zu ändern, haben die drei Gemeindezentren ihr Angebot seit der Eröffnung im April erfolgreich abgestimmt.

Gemeindetage als Türöffner

Deswegen behandelten viele der monatlichen Gemeindetage neben psychologischen und Rechtsthemen das Thema Bildung. An Vorträge zu Anmeldungen für Vor- und Grundschulen oder an weiterführenden Schulen nahmen bis Juni in Kragujevac, Požarevac und Novi Sad über 170 Menschen teil. Požarevac berücksichtigte bei den Einschulungen besonders die Gruppe der Rückkehrer*innen und sprach über Inklusion sowie Praktika für eine nachhaltige Beschäftigung. „Durch die offenen Gemeindetage erhalten die Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema. Wir wollen sie motivieren, die Hürden für ein besseres Leben anzugehen“, sagt Vladisavljev. Ein Grundstein hierfür ist die Bildung. Nur sechs Prozent der Kinder aus Romasiedlungen besuchen einen Kindergarten. Doch genau jene Vorschule sei wichtig, um den Kindern einen Zugang zum Bildungssystem zu ermöglichen und sie an die serbische Sprache heranzuführen, sagt Vladisavljev.

Psychologische Beratung ist besonders wichtig

Die Tochter von Miki Milović ist eine von vielen, die dieses Jahr nach erfolgreicher Schulanmeldung eingeschult werden konnten. In Zusammenarbeit mit Institutionen und den Gemeinden wird den Familien auch gezeigt, dass sie willkommen sind. Hier setzt ebenfalls die Arbeit der Psycholog*innen und Sozialarbeiter*innen an, denn Roma sind durch ihre Diskriminierungserfahrungen oft verunsichert. „Dieses Jahr hatten wir ein junges Mädchen, das aufgrund schwieriger Erfahrungen am ersten Schultag ihre Mutter nicht gehen lassen wollte. Sie hatte zu viel Angst allein“, erzählt Jasmina Drmaku, Sozialarbeiterin in Novi Sad. Das Mädchen geht heute - auch durch den Zuspruch und die Unterstützung der Psychologin und der Lehrerin, allein zur Schule.

Die psychologische Beratung der Zentren umfasst ebenfalls Maßnahmen gegen die hohen Schulabbruchraten. „Wir geben gemeinsam mit freiwilligen Studenten zweimal in der Woche auf Eigeninitiative Nachhilfe für Schüler*innen in Novi Sad“, erklärt Vinka Žunić, Psychologin. Gleichzeitig klären die Sozialarbeiter*innen in den Roma-Siedlungen über die vielen Angebote der Zentren auf. Von 20 Kindern, die versetzungsgefährdet waren bzw. der Abschluss der Grundschule nicht sicher war, bestanden 17 die Nachprüfungen und somit die Grundschule.

Ein erfolgreiches erstes Projektjahr

Im ersten Jahr des Projektes konnten außerdem 207 Personen die Rechtsberatung wahrnehmen. Die Legalisierung von Häusern, die Beschaffung fehlender Dokumente, soziale Rechte sowie die Unterstützung von kostenlosen Schulmaterialien und Schulessen wurden angegangen. Die psychologische Beratung behandelte die Prävention früher Ehen, Diskriminierungsfälle, Familientherapien und Beratungen mit einem Fokus auf Frauen und Kinder. Über 240 Personen nahmen diese Angebot war. Die Nachfrage wächst stetig.