Nachrichten

17.01.2018

Gerechtes Essen wird lokal erreicht!

Gemeinsam mit unseren lokalen Partnerorganisationen wurden erste Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Eigenversorgung und der Verbesserung der Lebensverhältnisse in den Projektregionen unternommen und erste wichtige Ziele erreicht. So gedeiht die Saat der Nachhaltigkeit, die gerechtes Essen für alle ermöglicht!

Gruppe Vietnamesen stehen im Wald. Einer der Gruppe erklärt die Pflanzen

Menschen tauschen sich über den gebrauch traditioneller Pflanzen aus © CENDI

Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen in Nepal, Mosambik und Vietnam unterstützt SODI Kleinbäuerinnen und –bauern, ihr Land und dessen ökologisches Gleichgewicht zu schützen und durch nachhaltige Landwirtschaft Eigenversorgung und Einkommensgenerierung zu sichern. Dank Ihrer großen Solidarität und der vielen Spenden – insgesamt 59.000 Euro – können in den Projekten jetzt weitere Schritte zum Projekterfolg gegangen werden, denn noch sind längst nicht alle Ziele erreicht. Unsere Partnerorganisationen aus Nepal und Vietnam berichten über den Stand der Dinge.

Stärkung von Gemeinden und ökologischer Anbau in Westnepal

Im Bergdistrikt Dailekh in Westnepal fordern der Klimawandel und die Nutzung von chemischem Dünger und Pestiziden einen hohen Preis: Böden degradieren, die ökologische Vielfalt geht verloren. Viele Menschen hungern, der Ertrag aus dem Eigenanbau reicht meist nur für drei Monate im Jahr. Doch Mangelernährung ist nicht nur die Folge geringer landwirtschaftlicher Produktion. Kulturelle Traditionen und Praktiken tragen dazu bei, dass insbesondere Frauen und Mädchen von Mangelernährung betroffen sind. So werden Frauen durch die diskriminierende Praktik des Chhaupadi während ihrer Menstruation aus dem Haushalt verbannt. Sie leben dann in einer Hütte oder einem Stall. Ihnen werden dringend benötigte Nahrungsmittel, wie Milch, Fleisch und Gemüse verwehrt. Stattdessen bestehen ihre Mahlzeiten aus Reis und Salz. Im Dezember berichteten wir über diese Form der Geschlechterdiskriminierung in Nepal und wie spezielle Aufklärungstrainings zur Stärkung weiblicher Gemeindemitglieder beitragen und ihrer Mangelernährung vorbeugen. Die Trainings zeigen noch weitere Erfolge. 65 Prozent der führenden Stellen in den Selbsthilfegruppen werden mittlerweile von Frauen bedient. Auch Chhaupadi verschwand in den sechs Gemeinden des Distrikts Dailekh.

Durch die steigende Anzahl an Hausgärten konnte außerdem die Ernährungssouveränität ganzer Familien verbessert werden. Trainings in ökologischen Anbaumethoden und Bewässerungsanlagen, die Regenwasser auffangen und Brauchwasser zur Wiederverwendung speichern, ermöglichen den ganzjährigen Anbau von Gemüse in den Hausgärten. „Es gibt sichtbar mehr Vielfalt in den Gemüsegärten“, sagt Surendra Shrestha, Direktor von SAHAS. Durch Wasserreservoirs konnten 30 Prozent der zuvor brachliegenden Böden für den Anbau von Getreide und Gemüse revitalisiert werden. Methoden wie der Anbau von Hülsenfrüchten zur Steigerung des Stickstoffgehalts in den Böden und die Verwendung von Nutztierkot als Dünger trugen außerdem zu einer Verbesserung der Produktion bei. Die Ernte von Mais, Hirse, Weizen und Kartoffeln konnte um 25 bis 30 Prozent gesteigert werden. Durch die verbesserten Ernteerträge stiegen außerdem die Einnahmen der nepalischen Kleinbäuerinnen und –bauern aus dem Verkauf der Produkte, was nun wiederum den Ausbau der Gemeindestrukturen ermöglicht. „Dank der Ersparnisse der Gemeinde und unserer Zusammenarbeit konnten wir z.B. die Schulen sanieren und eine wichtige Brücke erneuern“, erzählt Geeta Pariyar, Mitglied einer der Selbsthilfegruppen der Gemeinden.

Um nun auch in weiteren Gemeinden im Distrikt Dailekh eine nachhaltige Zukunft aufzubauen, sollen noch mehr Selbsthilfegruppen gegründet werden, auch um Interessen und Rechte der Bewohner*innen effektiver an die Gemeindeverwaltungen herantragen zu können. Als Vertreter*innen ihrer Gemeinden kandidieren bei den Lokalwahlen übrigens Männer und Frauen erfolgreich!  

Ernährungssouveränität durch Agrofrostwirtschaft

In der zentralvietnamesischen Bergregion Quang Binh müssen ehemals artenreiche Wälder stetig wachsenden Kautschukplantagen weichen. Dies bedroht nicht nur das ökologische Gleichgewicht, sondern gefährdet auch die indigene Bevölkerung. Die Lebensgrundlage und kulturelle Identität der dort lebenden Minderheiten ist eng mit der Natur verbunden. Das Projekt der vietnamesischen Organisation CENDI unterstützt die Menschen dabei, die risikoreichen Monokulturen durch nachhaltige Agroforstwirtschaft zu ersetzen. Durch große Stürme, wie dem Taifun Doksuri im September 2017, werden die anfälligen Monokulturen und damit die Lebensgrundlagen der Bevölkerung vernichtet. Einkommensverluste und Schulden sind die Folgen. Um die Situation der Menschen zu verbessern, werden die ansässigen Familien nun in einem ersten Schritt zu ihren aktuellen Praktiken in der Landwirtschaft und ihren konkreten Bedarfen befragt. Diese Bedarfe werden bis Ende Januar ausgewertet.

In einem weiteren Schritt werden dann in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden die Monokulturen in den zwei Projektdörfern durch die Agroforstwirtschaft ersetzt. „Nach und nach führen wir lokale Baumarten und Pfeffer sowie die Honigbienenzucht ein, um die biologische Vielfalt wieder herzustellen“ sagt Dàm Trong Tuàn, Projektkoordinator. Agroforstwirtschaft ist eine Kombination aus nachhaltiger Forst- und Landwirtschaft. „Die Bäume pumpen pflanzliche Nährstoffe nach oben und geben diese nach dem Laubfall wieder an andere Nutzpflanzen ab. Durch lokale Pflanzenarten stärken wir die biologische Vielfalt und sichern die Ernteerträge“, erklärt Dàm Trong Tuàn. Trainings im ökologischen Anbau und die Umsetzung der Agroforstwirtschaft ermöglichen den lokalen Minderheiten nicht nur wieder ein Leben im Einklang mit der Natur und Ernährungssouveränität. Durch die Anpflanzung lokaler Baumsorten werden auch Maßnahmen gegen einige Folgen des Klimawandels ergriffen, wie Bodenerosion, Überschwemmungen, Erdrutsche und vermehrte Stürme. Die verbesserte biologische Vielfalt durch die Agroforstwirtschaft stabilisiert den Boden und stärkt die Region gegen extreme Wetterereignisse.

Wir alle wollen gerecht essen! Durch Ihre Solidarität können Sie dieses Recht mit anderen Menschen teilen.

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