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22.02.2018

Ramaswamy Ranganathen: »Das ist genau das, was ich machen will«

Ein langer Weg, aber am Ende stehen die selbstverwaltete Tee-Kooperative der Adivasi und eine faire Bezahlung für die ethnischen Minderheiten. Mit Ramaswamy Ranganathen, Direktor der indischen Organisation CTRD (Center for Tribal Rural Development) und selber Adivasi, hat SODI-Programm-Managerin Susanne Wienke gesprochen.

Indische Frauen sitzen im Kreis und hören indischem Mann (Direktor) zu.

Wie begann Ihr Engagement für die Adivasi?

Ramaswamy Ranganathen: Es begann vor 40 Jahren, da war ich grade mal 17 Jahre alt. Ich komme aus einer Adivasi-Familie, meine Eltern waren damals arme Tagelöhner und mit 17 musste ich die Schule verlassen, um meinen Eltern auf den Teeplantagen zu helfen. Ich war wirklich nicht besonders scharf darauf, als Teepflücker zu arbeiten. Zu dieser Zeit kam ich jedoch in Kontakt mit einer Gewerkschaft für Plantagenarbeiter in Karnataka. Das war für mich ganz neu. Und nachdem ich mich ein paar Jahre in der Gewerkschaft engagiert hatte, wusste ich: Das ist genau das, was ich für den Rest meines Lebens machen will: Sozialarbeit! Diese Erfahrung hat mir sehr geholfen, die Probleme der Bevölkerung zu verstehen und gegen Armut und Ungerechtigkeit zu kämpfen.

Wie äußerte sich diese Ungerechtigkeit?

Von allen benachteiligten Menschen in Südindien sind die Adivasi die Verletzlichsten. Sie mussten sich abrackern, um wenigstens eine Mahlzeit am Tag zu haben, und viele haben als Zwangsarbeiter für Großgrundbesitzer gearbeitet. Die Menschen konnten nicht lesen und schreiben und ihr Gesundheitszustand war extrem schlecht.

Was führte Sie dann zurück in die Nilgiri-Berge?

Nachdem ich insgesamt elf Jahre in verschiedenen Regionen in Südindien mit benachteiligten Menschen gearbeitet habe, wollte ich etwas für die Adivasi in den Nilgiri-Bergen tun, dort, wo ich meine Kindheit verbracht habe.

1988 gründete ich dann gemeinsam mit ein paar traditionellen Führern der Adivasi die Organisation CTRD.

Was hat CTRD bis jetzt erreicht?

Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen. Zum einen verbessern wir die Bildung durch Vorschulen und Abendkurse. Viele Adivasi-Kinder haben ihren Schulabschluss gemacht; derzeit gehen in unserer Projektregion fast zweitausend Kinder auf eine staatliche Schule.

Zum anderen ist uns auch die Verbesserung der Gesundheitsversorgung wichtig. Unser medizinisches Team besucht zweimal monatlich die Dörfer. Seit 2006 wurden in kostenfreien Augengesundheitscamps 6000 Adivasi am Grauen Star operiert und haben damit ihr Augenlicht wieder erhalten. Außerdem haben wir Wohnhäuser, Toiletten und Biogasanlagen gebaut.

Wie hilft das Teeprojekt den Adivasi, ihre Lebenssituation zu verbessern?

Sie lernen, wie sie mit den richtigen ökologischen Techniken die Teeernte steigern können, ohne dabei den Boden zu belasten. Vor allem aber erhalten sie eine faire Bezahlung, weil ihr Tee direkt in ihrer eigenen Kooperative verarbeitet wird. So werden sie unabhängig von den Zwischenhändlern, die sie vorher so ausgebeutet haben. Wir haben vor allem alleinstehende Frauen im Blick. Sie setzen besonders viel Hoffnung in das Projekt, vor allem was die Zukunft ihrer Kinder betrifft. Ich habe beobachtet, dass sie mit einer positiveren Haltung in ihre Zukunft blicken. Sie haben schon viel gelernt und die Ernte hat sich merklich verbessert. Die Teefabrik wird ihnen langfristig eine wirtschaftliche Sicherheit bieten.