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08.08.2018

Hope Center: Weben für ein selbstbestimmtes Leben

Nach zwei Jahren geht SODIs Projekt mit dem Hope Center in Vietnam zu Ende. Dabei hat das Ausbildungsprogramm viel für die wirtschaftliche Verbesserung und Selbstbestimmung der Beteiligten bewirkt. Die Beteiligten sind aufgrund von Agent Orange von gesundheitlichen Einschränkungen und Behinderungen betroffen.

Vietnamesische Frau webt auf dem Boden sitzend.

Weberin im Ausbildungszentrum A Luoi © Dirk Wetzel

Vietnamesischer Mann näht mit Nähmaschine blauen Stoff.

Näher bei der Arbeit im Ausbildungszentrum © Hope Center/SODI

43 Jahr nach dem Ende des Vietnamkrieges sind die Folgen für die Bevölkerung auch heute noch spürbar. Der 10. August, der Gedenktag für die Opfer von Agent Orange, erinnert uns an den langen Schatten, den das Entlaubungsgift und der Krieg noch bis ins heutige Vietnam werfen.

Im Bergdistrikt A Luoi, in der Provinz Thua Thien Hue, kam es während des Krieges zu einem der intensivsten Einsätze des Entlaubungsgifts „Agent Orange“. Rund 45 Millionen Liter wurden während des Krieges durch die US-Luftwaffe über Vietnam versprüht, davon 432.000 Liter in dem Bergdistrikt A Luoi. Rund ein Siebtel Vietnams und somit auch große Teile der landwirtschaftlichen Nutzflächen werden langfristig kontaminiert. Seine Langlebigkeit zeigt das Gift in den Auswirkungen auf die Bevölkerung. Krebserkrankungen, kognitive und körperliche Behinderungen werden noch heute auf das Gift zurückgeführt. Drei Millionen Menschen sind bis heute über die Generationen hinweg von den Spätfolgen betroffen. Doch Betroffene, die nach dem Krieg geboren wurden erhalten keine Entschädigung und stellen oft eine finanzielle Belastung für ihre Familien dar.

Ausbildung bewirkt Selbstvertrauen und Einkommen

SODI solidarisiert sich mit den betroffenen Familien im wirtschaftlich schwachen Bergdistrikt A Luoi. Gemeinsam mit der lokalen Organisation Hope Center ermöglichte SODI 40 Personen mit Behinderungen, zumeist Frauen, eine Ausbildung in Weberei, Schneiderei und Kunsthandwerk zu absolvieren. Hierzu bietet das Ausbildungszentrum in der Provinzhauptstadt Raum.

Seit dem Ende ihrer Ausbildung arbeiten die Teilnehmer*innen im Zentrum. Durch neue Geschäftspartnern in Hanoi, Ho Chi Minh Stadt und auf Messen, werden ihre Produkte allmählich bekannter. Seit 2016 wurden über 4700 Kleidungsstücke, 80 Webstücke und 500 Kunsthandwerke fair produziert; insbesondere die Nachfrage nach handgewebten Stoffen steigt weiter. Dennoch mussten bei der Produktion die Besonderheiten der Teilnehmer*innen und ihre oft eingeschränkte Aufnahmefähigkeit berücksichtig werden, sodass bestimmte Arbeitsschritte mehrmals gelehrt werden müssen. Zuvor hatte die Mehrheit der Kursteilnehmer*innen keinen Job. „Jetzt kann ich etwas zum Unterhalt meiner Familie beitragen“, sagt Nguyen Thi Ninh (25).

Einer der größten Erfolge ist weiterhin das gesteigerte Selbstwertgefühl, welches die Teilnehmer*innen entwickelt haben. „Zuerst lebten viele unserer Teilnehmer eher für sich. Das Projekt hat ihnen mehr Selbstvertrauen gegeben. Sie treffen sich nun viel mehr mit anderen und fahren auch alleine ins Stadtzentrum“, erzählt Nguyen Thi Hong, Direktorin des Hope Centers. „Früher wurde ich von meiner Familie gebracht. Heute versuche ich täglich mit dem Rad zum Zentrum zu fahren. Dort kann ich mit Freunden sprechen. Das macht mich glücklich“, erzählt die 40-jährige Ho Thi Hong Phuong. Sie hat eine geistige Einschränkung. So verbesserte sich mit den Ausbildungskursen ebenfalls das gesellschaftliche Ansehen von Menschen mit Behinderung in der Region.

Insgesamt wurden während des Projekts 22 Schneider*innen, 11 traditionelle Weber*innen und 7 Personen in Handarbeiten ausgebildet. „Die Schneiderausbildung ist wichtig für mich. Es ist bessere Arbeit als die schwere Feldarbeit in der Sonne. Noch dazu kann ich nun etwas Geld für mein kleines Kind sparen“, Lo Thi Xingh (25).

Zusätzlich zum Ausbildungsprogramm hat das Hope Center gemeinsam mit den Auszubildenden Früchte und Gemüse angepflanzt sowie die Haltung von Ziegen, Schweinen und Hühner begonnen. Dies entlastet die Versorgung der Teilnehmer*innen und deckt durch den Verkauf die laufenden Kosten des Zentrums. So wird es auch nach dem Ende des Projekts 2018 seine Arbeit fortsetzen.

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