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Für die Rechte der Kinder: Ein Kindergarten in Hai Lam
Wo explosive Hinterlassenschaften des Krieges Leben bedrohten, sollen Kinder lachen. Auf einer von Minen, Bomben und Granaten beräumten Fläche in der Gemeinde Hai Lam, Vietnam, entsteht ein Kindergarten für 200 Kinder. Aufklärung über die Rechte der Kinder begleitet dieses Projekt des integrierten Programms zur humanitären Kampfmittelräumung und Entwicklung.

Projektlaufzeit: 01.03.2009 – 30.06.2010
Projektvolumen: 133.860 Euro
Finanzierung:
BMZ-Förderung: 99.945 Euro
SODI-Spenden: 33.315 Euro
Projektregion: Gemeinde Hai Lam, Provinz Quang Tri, Vietnam
Partner: Volkskomitee der Gemeinde Hai Lam
Hoa und ihre Geschwister leben in der Nähe des Flusses Thach Han. Es vergeht kaum ein Jahr, in dem das Häuschen ihre Familie nicht von Hochwasser überschwemmt wird. Sie hat erlebt, dass Menschen in den Fluten ertranken. Und sie weiß, dass mit dem Wasser und nachrutschender Erde immer wieder auch andere Gefahren auftauchen: Explosive Überreste des Krieges. Eben wieder wurde sie von SODI’s mobilem Räumteam aufgefordert, einen geschützten Platz aufzusuchen, denn es sollen „Bombis“ gesprengt werden – Streumunition, die gerade Kindern oft zum Verhängnis wird. Bald werden solche Erlebnisse für Hoa zur Vergangenheit gehören. Ihre Familie und die Nachbarn, insgesamt 300 Familien, bauen sich in der höher gelegenen Gemeinde Hai Lam auf sicherem Grund ein zu Hause auf. Das Land war zuvor von Minen, Bomben und Granaten befreit worden. Das Projekt unterstützt dieses Siedlungsvorhaben mit dem Bau und der Einrichtung eines Kindergartens. Die Siedler werden sich auch durch die geplanten Veranstaltungen zur Propagierung der Rechte der Kinder näher kommen.
Ausgangslage in der Region
Das Territorium des Kreises Hai Lang im Osten der Provinz Quang Tri lässt sich in drei geographische Zonen unterteilen: in höher gelegenes Land, niederes Flachland und den Küstenstreifen mit Sanddünen. 13 der 20 Gemeinden des Kreises liegen im niederen Flachland zum Teil unterhalb des Meeresspiegels. Die Menschen werden während der Monsunzeit (August – Dezember) regelmäßig Opfer von Hochwasser. Von 1999 bis 2008 wurden 49 Menschen durch schwere Überschwemmungen getötet und 44 verwundet. Die betroffenen Gemeinden haben große materielle Verluste zu erleiden: zerstörte Häuser und Infrastruktur, vernichtete Ernten, Bodenerosion usw. Die Folgen von Naturkatastrophen sind ein Hauptfaktor für die andauernde Armut im Kreis Hai Lang, der von der vietnamesischen Regierung als wirtschaftlich benachteiligte und besonders förderungswürdige Region eingestuft wurde.
Die höher gelegene Gemeinde Hai Lam liegt im Bereich der früheren US-Militärbasis Doc Neo. Sie war während des Krieges Schauplatz erbitterter Bodenkämpfe und Bombardements mit Cluster-Bomben ausgesetzt. Ein großer Teil der Gemeinde konnte wegen der hohen Belastung mit explosiven Hinterlassenschaften des Krieges von der Bevölkerung nicht ohne Gefahr für Leib und Leben genutzt werden. Diese Gebiet wurde daher von den Menschen gemieden. Im Rahmen der vom Auswärtigen Amt finanzierten Kampfmittelräumung wurde bis Ende 2008 eine Fläche von 90 ha beräumt. Die für 2009 geplante Räumfläche mit einer Größe von 90 ha schließt daran an. Insgesamt sollen hier für ein Ansiedlungsvorhaben ca. 350 ha Land zur Besiedlung und landwirtschaftlichen Nutzung beräumt werden.
Etwa 300 Familien werden aus Überschwemmungsgebieten in die Gemeinde Hai Lam umsiedeln, wo sie eine größere Sicherheit und Möglichkeiten finden, sich aus der Armut zu befreien. Das Land eignet sich für Forstwirtschaft, Obst- und Gemüseanbau und für Nutztierhaltung. Aus Mitteln der Provinzregierung wurden bereits eine geteerte Verbindungsstraße zur Nationalstraße Nr. 1 sowie Strom- und Wasserleitungen gebaut.
Die Ansiedlungsfläche von insgesamt 320 ha wird von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Hier sollen zwei Dörfer für 100 bzw. für 200 Familien entstehen. Die Familien erhalten für die Umsiedlung von der Provinzregierung eine finanzielle Unterstützung von je 5 Mio VND (230 €). Die Siedler setzen für den Bau ihrer Häuser eigene finanzielle Ressourcen (rund 1.500 €) und ihre Arbeitskraft ein.
Der Kindergarten wird auf einem Teil der 2007/08 beräumten Fläche erbaut, die zum sozialen und kulturellen Mittelpunkt der neuen Ansiedlung werden soll. In unmittelbarer Nachbarschaft des Kindergartens sind der Bau eines Schulkomplexes, eines Gemeindegesundheitszentrums, das dem Vorbild des vom BMZ 2007/08 geförderten Zentrums in der Gemeinde Linh Hai folgen soll, sowie eine Gemeindehaus vorgesehen.
Ziele und Maßnahmen
Bau und Ausstattung eines Kindergartens für 150 bis 200 Kinder
Kinder im Alter von 2-6 Jahren der Siedlerfamilien sowie Vorschulkinder aus umliegenden Gemeinden haben derzeit keine Möglichkeit, einen Kindergarten oder eine Vorschuleinrichtung zu besuchen. Dies soll sich ändern.
Ein weiteres Problem ist der Mangel an qualifiziertem Personal für die Betreuung der Kinder. Wie im Falle des mit BMZ-Förderung entstandenen Kindergartens in der Gemeinde Cam Tuyen, Kreis Cam Lo, erhalten deshalb im neuen Kindergarten Hai Lam ErzieherInnen die Möglichkeit, sich in der Praxis weiterzubilden.
Eine qualifizierte Betreuung liegt nicht nur im Interesse der Kinder. Ein Kindergarten mit Ganztagsbetreuung in unmittelbarer Reichweite hilft insbesondere den Müttern, denen traditionell die Erziehung der Kinder sowie die Feldarbeit obliegt, Zeit und Kraft zu gewinnen. Die Familien haben die Möglichkeit, ihre bisher genutzten, nun aber bis zu 20 Kilometern entfernten Felder weiter zu bewirtschaften. Der Kindergarten hilft den Frauen, diese bereits vorhandenen Einkommensquellen auszuschöpfen und im Siedlungsgebiet neu entstehende wirtschaftliche Möglichkeiten wie Obstanbau und Tierhaltung zu erschließen.
Der Kindergarten wird auf einem ca. 5.200 qm großen Areal öffentlichen Landes gebaut und an vorhandene Strom- und Wasserleitungen angeschlossen. Er besteht aus einem einstöckigen Gebäude, das vergleichbar mit dem Kindergarten in Cam Tuyen ist, mit einer Gesamtfläche von 771,60 qm. Allen fünf Gruppenräumen ist ein Toiletten-/Waschraum angeschlossen. Außerdem gibt es einen Raum für Musik- und Zeichenunterricht sowie ein Lehrerzimmer, einen Raum für die Verwaltung und ein Krankenzimmer, in dem ein Arzt zweimal jährlich Vorsorgeuntersuchungen durchführt. Eine Küche sorgt für das leibliche Wohl der Kinder. Ein Garten hinter dem Gebäude wird Quelle von frischem Gemüse und Obst sein. Auf einem Spielplatz werden sich die Kinder austoben können.
Für die Rechte der Kinder!
Bau und Ausstattung des Kindergartens sind selbst ein Beitrag zur Verwirklichung der Kinderrechte, wie sie in der 1989 verabschiedeten UN-Kinderrechtskonvention niedergelegt wurden. Vietnam ist dieser Konvention frühzeitig beigetreten.
Entsprechend den Prinzipien des Konfuzianismus, welche die vietnamesische Gesellschaft stark prägen, dominiert auch im Projektgebiet der Grundsatz des Gehorsams der Kinder gegenüber Eltern, Lehrern und anderen Erwachsenen. Die Kinder und Jugendlichen werden überwiegend als Objekte und nicht als eigenständige Persönlichkeiten gesehen. Vor diesem kulturellen Hintergrund ist es eine Herausforderung, solche Prinzipien der Kinderrechtskonvention wie das Recht der Kinder auf Mitsprache und Partizipation, durchzusetzen.
Die Propagierung der Kinderrechte soll zum einen gesellschaftliche Schlüsselakteure erreichen. Vertreter lokaler Behörden, Lehrer und Verantwortliche von sozialen Organisationen kennen die Kinderrechtskonvention dem Namen nach. Aber die Kenntnis des Inhalts und das Bewusstsein für die Bedeutung der Konvention sowie der entsprechenden vietnamesischen Gesetze sind nur gering ausgebildet. Zum anderen richtet sich die Aufklärungsarbeit an die Eltern und die Bevölkerung des neuen Siedlungsgebiets in Hai Lam. Allein die Vorstellung, dass Kinder Rechte haben, ist für die Menschen hier ungewöhnlich. Noch mehr trifft dies auf die Forderung zu, dass Kinder selbst aktiv an der Durchsetzung dieser Rechte mitwirken sollen. Häusliche Gewalt gegen Kinder ist durchaus verbreitet. Dem Anliegen der UN-Kinderrechtskonvention entsprechend werden auch etwa 120 Kinder, die Schulen der Gemeinde Hai Lam und der Nachbargemeinden besuchen, zu Akteuren bei der Aufklärung über und der Förderung der Kinderrechte.
Die Verbindung von Bau und Einrichtung des Kindergartens mit der Aufklärung über die Rechte der Kinder stützt sich auf Erfahrungen eines von der Stiftung Nord-Süd-Brücken geförderten SODI-Projekts in der Gemeinde Thang Tho (Provinz Thanh Hoa).
Die geplanten Aktivitäten werden vom Gemeinderat Hai Lam und dem Volkskomitee des Kreises Hai Lang unterstützt. Die vietnamesische Jugendunion hat die Organisierung übernommen. Vorgesehen sind u.a. ein Workshop für rund 100 gesellschaftliche Schlüsselakteure und Eltern. Die Teilnehmer machen sich mit den Rechten der Kinder vertraut. Sie tauschen sich darüber aus, was am Verhältnis der Erwachsenen zu den Kindern in den Familien, im Kindergarten, in den Schulen und im Dorf verändert werden muss, damit die Kinder ihr Leben selbst mitgestalten können. Es besteht die Absicht, im Ergebnis der Diskussion einen Appell an die Gemeindebevölkerung zu verfassen, der sich gegen die Gewaltanwendung gegen Kinder richtet und zur Verwirklichung der Kinderrechte aufruft.
Höhepunkt der Aktivitäten werden ein Wettbewerb und ein Kulturprogramm, das mit ehrenamtlicher Hilfe von Künstlern aus der Provinz Quang Tri gestaltet wird, zum Thema Kinderrechte sein. Auch Kinder, die den neuen Kindergarten besuchen, werden hier ihr Können zeigen. Es winken kleine Preise, der beste Beitrag soll mit einem Fahrrad prämiert werden.
Spenden Sie online!
75 Prozent des gesamten Projekts fördert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ein Viertel des Projektbudgets - das sind über 30 000 Euro - muss SODI aus Spenden finanzieren. Für die Ausstattung mit Möbel werden pro Kind 26 Euro benötigt. Für die Küche werden 3.300 Euro benötigt.
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