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Humanitäre Kampfmittelräumung und Entwicklung in Vietnam
Das integrierte Programm verbindet Kampfmittelräumung mit Entwicklungsprojekten. Zuerst werden Minen und Blindgänger geräumt und danach Entwicklungsprojekte realisiert. Es wird in den Provinzen Quang Tri und Thua Thien Hue, Vietnam, durchgeführt.

Projektlaufzeit: Quang Tri seit 1998, Thua Thien Hue seit 2006
Finanzierung:
Humanitäre Kampfmittelräumung:
Vollfinanzierung durch das Auswärtige Amt 2010: 845.952 Euro
seit 1998 gesamt: 7.325.111 Euro
Projekte für Wiederaufbau und Entwicklung:
Finanzierung durch SODI-Spenden, Fördermittel, Beiträge der Partner 2010: 162.825 Euro
seit 1999 gesamt: 1.841.208 Euro, davon:
- Förderung durch BMZ: 1.238.693 Euro
- Regierung Brandenburg: 12.782 Euro
- Stiftung Nord-Süd-Brücken: 8.513 Euro
- Beitrag der Partner: 54.807 Euro
- SODI-Spenden: 516,187 Euro
Programm gesamt: 9.166.329 Euro
Inhalt
Explosive Hinterlassenschaften des Krieges
Die Provinz Quang Tri, an der ehemaligen Trennlinie zwischen Nord- und Südvietnam gelegen, war während des Krieges Schauplatz heftigster Kämpfe. Sechs Tonnen Explosivstoffe pro Kopf der Bevölkerung kamen hier zum Einsatz. Viele Dörfer mussten US-Militärbasen weichen. Bei Kriegsende existierten von 3.500 Dörfern nur noch 11. Tausende Hektar Land können wegen ihrer Belastung mit Minen und Blindgängern noch immer nicht genutzt werden - ein enormes Hindernis für Wiederaufbau und Entwicklung. 6.984 Menschen kamen seit 1975 bei Unfällen mit Minen und Blindgängern ums Leben oder wurden schwer verletzt, darunter viele Kinder (Stand 2008). Ein besondere Bedrohung geht von der weit verbreiteten Streumunition aus.
Auch die Provinz Thua Thien Hue war ein Hauptschauplatz des Krieges. Schwere Zerstörungen und große Verluste unter der Zivilbevölkerung gab es insbesondere im Ergebnis heftiger Kämpfe während der Tet-Offensive 1968. Die Langzeitfolgen des Krieges sind ein Haupthindernis für die Überwindung der Armut insbesondere in den ländlichen Gebieten der Provinzen Quang Tri und Thua Thien Hue.
Verbindung von humanitärer Minen- und Blindgängerräumung mit Entwicklung
Seit 1998 verwirklicht SODI als erste ausländische Nichtregierungsorganisation gemeinsam mit seinen vietnamesischen Partnern ein integriertes Programm zur Minen- und Blindgängerräumung und zur Entwicklung in der Provinz Quang Tri und seit 2006 auch in der Provinz Thua Thien Hue. Es ermöglicht Menschen, deren Dörfer der Krieg ausradiert hatte und deren Felder durch Minen und Blindgänger aller Art verseucht waren, den Start in ein neues Leben.
Das Integrierte Programm ist ein konkretes Minenaktionsprogramm auf der Grundlage der Richtlinien für Humanitäres Minenräumen aus entwicklungspolitischer Sicht (Bad Honnef I, II). Sie wurden durch SODI gemeinsam mit anderen NRO, die sich in der Kampagne zum weltweiten Verbot von Landminen aller Art und von Streumunition verbündet haben, erarbeitet.
Das Programm wird in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Volkskomitee der Provinz Quang Tri, und den Verwaltungen der Kreise Cam Lo, Trieu Phong, Gio Linh und Hai Lang sowie mit der Vietnamesischen Frauenunion, der Vaterlandsfront, der Jugendunion und nicht zuletzt mit den betroffenen Menschen und ihren Gemeindevertretungen durchgeführt. Partner in Thue Thien Hue sind neben dem Volkskomitee der Provinz die Verwaltungen der Kreise Quang Dinh und Huong Tra und Gemeindevertretungen in beiden Kreisen sowie die Hue Friendship Organisation (HUEFO).
Das deutsche Auswärtige Amt stellte für die Finanzierung der Räumaktivitäten von 1998 bis 2010 über 7,3 Mio. Euro zur Verfügung.
Die bisherigen Projekte zur Entwicklung und nachhaltigen Armutsbekämpfung wurden aus Spenden von SODI und Fördermitteln des Landes Brandenburg und Berlin, der Stiftung Nord-Süd-Brücken und insbesondere des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwickung (BMZ) finanziert. Bis Ende 2009 wurden insgesamt über 1,62 Mio. Euro an Spenden und Fördergeldern eingesetzt. Die vietnamesischen Partner trugen mit der Bereitstellung von öffentlichem Land und Infrastrukturmaßnahmen und in wachsendem Maße auch durch finanzielle Beiträge zur Realisierung der Projekte bei.
SODI, Gründungsmitglied des Aktionsbündnisses Landmine.de, verknüpft die Realisierung des Programms mit seinem Engagement in der internationalen Kampagne gegen Landminen und Streumunition.
Humanitäre Minen- und Blindgängerräumung
Diese Komponente des integrierten Programms umfasst Flächenräumung, ad-hoc Räumung nach Meldungen aus der Bevölkerung (Roving) durch mobile Teams, Bevölkerungsaufklärung sowie Training für das einheimische Räum- und Führungspersonal.
Bis 2005 leiteten EOD-Spezialisten der von SODI beauftragten Firma GERBERA aus Königs Wusterhausen die technische Durchführung und das Management der Räumaktivitäten sowie das Training. Über 300 Vietnamesen erhielten in Quang Tri eine Ausbildung an modernem Räumgerät und wurden mit den hohen Standards humanitärer Kampfmittelräumung vertraut gemacht. Dies ermöglichte im Jahre 2006 die Übernahme der Verantwortung für die Durchführung der Räumaktivitäten durch vietnamesisches Führungspersonal – ein entscheidender Schritt hin zu nationalem „Ownership“.
Seit April 2006 ist SODI auch in der Nachbarprovinz in Thua Thien Hue, der südlichen Nachbarprovinz von Quang Tri, aktiv und führt die vom Verein Potsdam Kommunikation e.V. begonnene erfolgreiche Hilfe bei der Beseitigung der Kriegsfolgen mit guten Ergebnissen fort.
Ein von SODI entsandter Programmmanager mit Sitz in Dong Ha, Provinzhauptstadt von Quang Tri, ist für die Koordinierung und Kontrolle der Räumaktivitäten in beiden Provinzen verantwortlich. Ihm stehen für beide Teilprojekte vietnamesische Projektmanager für humanitäre Kampfmittelräumung zur Seite.
Ergebnisse der Minen- und Blindgängerräumung
Quang Tri:
Bis Ende 2009 hat das Flächenteam 924,9 ha ursprünglich hoch belastete Flächen zur Nutzung durch die Bevölkerung beräumt. Dabei wurden 48.900 Minen und Blindgänger aller Art detektiert und unschädlich gemacht.
Das Mobilteam, das seit 2002 im Einsatz ist und seit 2008 aus zwei Gruppen besteht, hat nach Hinweisen aus der Bevölkerung 40.914 Blindgänger, darunter eine hohe Anzahl Streumunition, vernichtet. Es verbindet Roving mit der Aufklärung der Bevölkerung, insbesondere von Schulkindern, über die von den nicht explodierten Kriegshinterlassenschaften ausgehenden Gefahren. Das Team erreichte dabei bis Ende 2009 über 55.324 Menschen. Es wurden Kleinflächen, insbesondere in Kinder- und sozialen Einrichtungen, mit einer Gesamtgröße von 30,7 ha beräumt.
Thua Thien Hue:
Seit der Übernahme der Räumaktivitäten von Potsdam Kommunikation im Jahre 2006 bis Ende 2009 hat das Flächenteam 343,8 ha, die für Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung durch die Bevölkerung vorgesehen sind, von 8.739 Minen und Blindgänger aller Art befreit.
Das Mobilteam hat 14.250 Blindgänger aller Art vernichtet. Das Team erreichte in Aufklärungsveranstaltungen bis Ende 2009 95.642 Menschen. Seit 2008 führt das Mobilteam in Thua Thien Hue auch Kleinflächenräumung durch und hat bis Ende 2009 in diesem Rahmen insgesamt 1,9 ha geräumt.
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Wiederaufbau und Entwicklung
Quang Tri
Dörfer des Friedens und der Solidarität
Auf Flächen, die von 1998 bis 2002 in den Kreisen Trieu Phong und Cam Lo geräumt wurden, haben in den Jahren 1999 bis 2006 die Dörfer Phuong Coi und Tan Dinh/Ai Tu sowie Con Trung ihre Wiedergeburt erlebt. Die Bewohner haben dafür hart gearbeitet. Ihr Aufbruch in ein neues Leben wurde durch Spenden von SODI, die durch Fördermittel des BMZ, der Stiftung Nord-Süd-Brücken, der Landesregierung Brandenburg und des Berliner Senats aufgestockt wurden, unterstützt. Es wurden Straßen gebaut, Strom- und Wasserleitungen verlegt, Brunnen gebohrt. Die insgesamt 219 Familien in Phuong Coi, Tan Dinh und Con Trung erhielten Zuschüsse zum Bau ihrer Häuser. In den Dörfern sind neue Grundschulen und Kindergärten entstanden. Auch an die wirtschaftliche Entwicklung der Dörfer wurde gedacht. Mit einer Anschubfinanzierung haben die Familien Pfeffer und Kautschuk angepflanzt. Kleinkredite ermöglichten den Familien in Phuong Coi und Con Trung die Anschaffung von Rindern und Schweinen. In Fortbildungskursen, die von der Frauen-Union der Provinz Quang Tri durchgeführt wurden, eigneten sich die Neusiedler das notwendige Know-how an.
Bildung und Gesundheit für alle!
Die Nutzung der von 2003 bis 2007 geräumten Flächen in den Kreisen Cam Lo und Gio Linh wurde durch Projekte, die sich auf die Stärkung von Strukturen in der Vorschul- und Grundbildung sowie in der medizinischen Grundversorgung der Bevölkerung konzentrierten, gefördert. Es entstanden ein Kindergarten in der Gemeinde Linh Hai, und in einem weiteren Projekt eine Grundschule, ein Kindergarten in den Gemeinden Cam Thuy bzw. Cam Tuyen sowie ein Gesundheitszentrum in der Gemeinde Linh Hai.
Auf einer seit Ende 2007 in der Gemeinde Hai Lam, Kreis Hai Lang, beräumten Fläche wird die Ansiedlung von 300 Familien, die bisher in Hochwassergebieten leben, seit 2009 durch den Bau eines Kindergartens unterstützt.
Opfern von explosiven Kriegshinterlassenschaften und von Agent Orange helfen
Die Betroffenen und ihre Familien gehören zu den Ärmsten in ihren Gemeinschaften, deshalb brauchen sie im besonderen Maße Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Baukostenzuschuss verhalf 332 dieser Familien zu einem stabilen, wetterfesten Haus. Mit Hilfe von Kleinkrediten für Nutztierhaltung wurde ihre wirtschaftlichen Grundlagen gestärkt. Das Projekt wurde von November 2007 bis Januar 2010 durchgeführt.
Seit August 2008 sammelt SODI in einer Kampagne Unterschriften zur Unterstützung von vietnamesischen Agent Orange Opfer, damit diese endlich angemessen entschädigt werden. Link zur Kampagne
Thua Thien Hue
Nach dem Vorbild des integrierten Programms in Quang Tri beginnt die Unterstützung bei der Nutzen des von Kriegslasten befreiten Landes mit einem Ansiedlungsprojekt.
In der Gemeinde Huong Ho, Kreis Huong Tra entsteht auf 2005 bis 2006 beräumtem Land die neue Siedlung Lim für zunächst 60 Familien. Infrastrukturmaßnahmen und der Bau von Wohnhäusern, Kindergarten, Schule und Gemeindehaus werden auch hier mit der Förderung von Einkommenserwirtschaftung verbunden. Das Projekt wird von Oktober 2008 bis März 2011 durchgeführt.
Alle genannten Projekte wurden bzw. werden vom BMZ gefördert.
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Weitere Informationen zum Projekt: