Tschernobyl-Kinder nicht vergessen

2016 jährte sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zum dreißigsten Mal. Die Angaben zu Opferzahlen variieren stark. In Belarus geht man alleine von 400.000 Kindern aus, die an Folgen der Katastrophe leiden. Seit 1996 ermöglicht SODI Kur- und Genesungsaufenthalte für strahlengeschädigte Kinder, unterstützt betroffene Familien und kämpft gegen das Vergessen. Über 6000 Kinder nahmen bereits am Gesundheitsprogramm teil.

Die Folgen der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986 sind nicht zu verharmlosen. Ständig erkranken neue Kinder aus der Region an Krankheiten, die durch den radioaktiven Stoff Cäsium 137 hervorgerufen werden. Meist leiden die Betroffenen unter Lungen- und Blutkrebs oder an Herz-Kreislauferkrankungen. Die anhaltende Belastung ruft auch vermehrt Behinderungen.

„Durch die größere Körperoberfläche und nicht  adäquat ausgeprägte Immunsystem sind Kinder und Jugendliche für die Auswirkungen von Radioaktivität besonders anfällig“, erklärt Dr. Alex Rosen, Kinderarzt und Mitglied IPPNW (Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges).

Gerade weil in Belarus die gesetzlich verankerte Hilfe für die 2,2 Millionen strahlengeschädigten Menschen von der Regierung seit Jahren zurückgefahren wird, müssen wir uns solidarisch mit den Betroffenen zeigen und die Öffentlichkeit immer wieder über das Thema informieren.

Bereits seit 1996 hilft SODI deshalb gemeinsam mit drei Partnerorganisationen den strahlengeschädigten Kindern und ihren Familien in den am stärksten vom radioaktiven Niederschlag betroffenen belarussischen Regionen Mogilijow und Gomel.

Erholungsurlaub für strahlengeschädigte Kinder.

Erholung und Urlaub für die Kinder

In der Ortsgruppe Kritschew der Elternselbsthilfe-Initiative Belapdi, wollen die 38 Familien die Situation ihrer behinderten Kinder verbessern. SODIs Unterstützung bezieht sich dabei auf ganz alltägliche Herausforderungen wie ein gemeinsamer Ausflug, ein Fest oder medizinische Verbrauchsmaterialien wie Windeln, die für die meisten betroffenen Familien nicht alleine zu realisieren sind.


SODI unterstützt die Familien, die oft durch die behinderten Kinder sozial marginalisiert sind. Die Kinder erhalten Kuraufenthalte, mit professionellen ergotherapeutischen Maßnahmen und einer gesunden, unbelasteten Nahrung wird die Lebensqualität der Betroffenen wesentlich verbessert. Erfahren Sie mehr!

Weiterhin werden die Familien durch medizinisch notwendige aber vom Staat nicht unterstützte Hilfsmittel wie Windeln und Messplättchen zur Insulinbestimmung bereitgestellt. Gemeinsam mit SODI stärkt Belapdi die Vernetzung betroffener Familien und fördert die gesellschaftliche Inklusion.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Mogiljower Gewerkschaftskomitee und „BELRAD“ ermöglichte einer Vielzahl von Kindern einen Genesungsaufenthalt in nichtverstrahlten Gebieten des Landes. Untersuchungen des Strahleninstitut „BELRAD“ ergaben positive Ergebnisse. „Unsere Untersuchungen der Kinder ergaben eine hohe Effektivität der Kindererholung und Pektinkuren in den Jahren 2010 bis 2016. Die Belastung der Kinder wurde durch den Urlaub stark verringert“, berichtet Ing. Iwan Krasnopjorow, Leiter des WBC-Labors vom Unabhängigen Institut für Strahlensicherheit „BELRAD“.

Helfen Sie mit! Mit einer Spende von 75 Euro kann ein Kind in den Ferien an einem Erholungsaufenthalt teilnehmen.

Wissenschaft als Grundlage von Veränderung

Den von der hohen Strahlenbelastung betroffenen Regionen wird jedoch nicht nur durch Erholungsaufenthalte und Unterstützung der Familien geholfen. Das unabhängige Strahleninstitut BELRAD, welches sich der Aufklärung und dem Kampf gegen die Gefahren der Atomenergie verschrieben hat, führt seit 1996 in den Gebieten Gomel, Brest, Mogilew, Minsk und Witebsk Untersuchungen für Kinder und deren Nahrung durch. So konnten seit Jahren die besonders gesundheitlich gefährdeten Kinder in Erholungsurlaube geschickt, Aufklärungsveranstaltungen und Strahlenmessung an Schulen sowie Pektinkuren durchgeführt werden. Lesen Sie mehr über die Arbeit und die Erfolge des Instituts!

Mit einer Spende von 50 Euro kann ein Kind ein Jahr lang eine Pektinkur erhalten.

Anti-Atom-Demonstration

Eine Gesellschaft ohne Atom

Die SODI-Ortsgruppe Schwedt engagiert sich seit vielen Jahren für Kinder, die an den Spätfolgen der Tschernobylkatastrophe leiden. Ganz besonders ist ihnen Nastja Moltschanowa ans Herz gewachsen. Elf Jahre begleiteten Christa Dannehl, die SODI-Ortsgruppen entlang der Oder und viele Schwedter Unterstützer*innen das junge Mädchen auf dem Weg zu einem unabhängigen Leben dank einer beweglichen Beinprothese. Nastjas Geschichte.

Doch auch in Deutschland gibt es viel zu tun! SODI engagiert sich, vor allem mit den SODI-Ortsgruppen entlang der Oder jährlich für das Gedenken an Tschernobyl und fordern ein Ende der Atomenergie. „Eine Welt ohne Atombomben und eine Gesellschaft ohne Atomkraftwerke war und bleibt unser Ziel!“, sagt Hagen Weinberg entschlossen. Jedes Jahr organisieren sie hierfür eine Aktionswoche zum Gedenktag am 26. April. Erinnerung und Mahnung des Vergangenen müssen mit der notwendigen Aufklärung über die Gefahren der Atomenergie und einem gesellschaftlichen Umdenken einhergehen. Zum 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und fünf Jahre nach Fukushima gedachte SODI im letzten Jahr den Betroffenen. Neben der jahrelangen Unterstützung strahlengeschädigter Kinder in Belarus, übte der Verein mit Hilfe der Ortsgruppen entlang der Oder durch eine Petition politischen Druck aus. Zum Abschluss dieses ereignisreichen Jahres übergab der SODI-Vorstandvorsitzende Dr. Rolf Sukowski die Petition „Keine Subventionierung von Atomenergie – Für eine saubere und sichere Stromproduktion“ an die Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Dr. Kirsten Tackmann.

Engagieren Sie sich jetzt gegen Atomenergie!

Unterstützen Sie Tschernobyl-Kinder

Unterstützen Sie mit Ihrer Spende die strahlengeschädigten Kinder in Belarus.

Mit einer Spende von 50 Euro kann ein Kind ein Jahr lang eine Pektinkur erhalten.

Mit einer Spende von 75 Euro kann ein Kind in den Ferien an einem Erholungsaufenthalt teilnehmen.

Das Projekt wird ausschließlich durch private Spenden finanziert.

© Oliver Voigt
© Oliver Voigt

Die Tschernobyl-Aktionswoche wird gefördert durch das IBB Dortmund, Verein der Bundestagsfraktion DIE LINKE e.V., Ministerium der Justiz und für Europaangelegenheiten, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, Landkreis Uckermark und private Spenden:

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