• Schülerinnen und Schüler in Khouan Chanh (Laos)
  • Klassenraum der alten Schule in Khouan Chanh (Laos)
  • Kinder in der alten Schule in Khouan Chanh (Laos)
  • ausgedörrter Boden eines Reisfeldes im März in Khouan Chanh (Laos)
  • Brunnen in Nadeua (Laos)
  • Brunnenwasser im Brunnen in Nadeua (Laos)
  • Bachlauf in Nadeua (Laos)
  • Frauen und Kinder beim Wasserholen in Nadeua (Laos)
  • Dorfversammlung in Nadeua (Laos)

Bildung und Wasser für Laos

Das erste Entwicklungsprojekt von SODIs Integriertem Programm in Laos umfasst den Bau und die Ausstattung einer Grundschule im Dorf Khouan Chanh sowie die Installation eines Wasserversorgungssystems im Dorf Nadeua. In beiden Dörfern befreit SODI seit Mitte 2009 landwirtschaftliche Flächen und Siedlungsgebiete von Streumunition und anderen Blindgängern. Nun werden die Dörfer durch Entwicklungsmaßnahmen auch bei der Verbesserung ihrer Lebensumstände unterstützt.

Der Distrikt Khamkeut, wo SODI sein Integriertes Programm zur Humanitären Kampfmittelräumung und Entwicklung durchführt, gehört zu den ärmsten Regionen des Landes. Er wurde von der laotischen Regierung als besonders strukturschwach und förderungsbedürftig eingestuft. Die Region ist vorwiegend landwirtschaftlich geprägt, die Mehrheit der Einwohner produziert gerade ausreichend für die Selbstversorgung. In den Dörfern Khouan Chanh und Nadeua liegt die Armutsrate sogar noch über dem Durchschnitt des Distriktes. Die ärmsten Familien haben kein eigenes Reisfeld, viele Familien verfügen über keinen Stromanschluss.

Bau und Ausstattung einer Grundschule im Dorf Khouan Chanh

In Khouan Chanh gibt es etwa 160 Kinder, die den Grundschulunterricht der Klassen 1 bis 5 und den seit 2010 in Laos gesetzlich vorgeschriebenen Vorschulunterricht besuchen. Die bestehende Grundschule ist ein mehr als 15 Jahre alter, provisorischer Bau aus Holz, einem Gras- und Wellblechdach und Wänden aus Bambusmatten. Die Schule ist mit vier Klassenräumen viel zu klein und darüber hinaus in desolatem Zustand: Die Schulmöbel sind zerschlissen, Dach und Wände löchrig, einen Anschluss an die öffentliche Stromversorgung gibt es nicht. In den Wintermonaten sind die Schülerinnen und Schüler nur sehr unzureichend vor Wind und Kälte geschützt.

Die neue Grundschule wird ein fester, gemauerter Bau mit sechs Klassenzimmern, einem Lehrerzimmer und einer Schulbibliothek. Das Schulgelände haben SODI-Teams bereits 2010 von Blindgängern befreit. Auf den Außenanlagen entstehen Sport- und Spielmöglichkeiten.

Weil viele Familien, insbesondere Familien mit vielen Kindern, nicht genügend Geld für die benötigten Schulbücher aufbringen können, wird durch das SODI-Projekt neben Schulmöbeln auch eine Erstausstattung an Lehr- und Arbeitsmaterial für LehrerInnen und SchülerInnen beschafft. Die Schulbibliothek erhält eine Grundausstattung mit Lehrbüchern, Nachschlagewerken und Kartenmaterial. Sie soll darüber hinaus als zentrale Informationsstelle über die Blindgänger-Situation im Distrikt und für die Aufklärung über die Gefahren im Umgang mit Kampfmittelrückständen dienen. Damit sollen die Aufklärungsmaßnahmen des Räumprojektes unterstützt werden, die die im Distrikt relativ häufig auftretenden Unfälle mit Blindgängern zu verhindern suchen.

Zusätzlich finden verschiedene Trainingskurse statt, die die Realisierung der UN-Kinderrechtskonvention und die Verbesserung der Schulbildung, entsprechend den Millenniumsentwicklungszielen, fördern sollen: Den Lehrern der Grundschule werden neue und modernere Lehrmethoden vermittelt, bei den Eltern das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Schulbesuch und Ausbildung ihrer Kinder gefördert. Die Kinder lernen, dass sie selbst aktiv an der Durchsetzung ihrer Rechte mitwirken und ihr Leben als eigenständige Persönlichkeiten mitgestalten können. Die Eröffnung der Schule soll im Dezember 2011 stattfinden.

Installation eines Wasserversorgungssystems im Dorf Nadeua

In Nadeua ist die Wasserknappheit ein besonderes Problem. Während der Trockenzeit in den Monaten Dezember bis Mai fällt kaum ein Tropfen Regen. Zu ihrem Höhepunkt im März trocknen Bäche und Brunnen zum Teil vollständig aus. In dieser Zeit ist der Anbau von Reis oder Gemüse und Obst unmöglich. Die Böden sind dann so ausgedörrt, dass sie hart wie Stein werden. Im Dorf gibt es einen einzigen Brunnen, der nur in der Regenzeit Wasser führt. In der Trockenzeit nehmen die Frauen täglich, manchmal auch mehrmals am Tag, einen 40-minütigen Fußmarsch zu einem Bachlauf auf sich, um dort Kleidung zu waschen, zu baden und Wasser für den täglichen Bedarf im Dorf zu holen. Trinkwasser muss das ganze Jahr hindurch mit Kanistern aus der zehn Kilometer entfernt gelegenen Distrikthauptstadt Laksao ins Dorf geschafft werden. In Nadeua sind Krankheiten wie Durchfall und Malaria sehr verbreitet, was auf den fehlenden Zugang zu sauberem Wasser sowie auf mangelnde Hygiene zurückgeführt werden kann.

Mit SODIs Unterstützung wird nun ein Wasserversorgungssystem errichtet, das den 116 Familien in Nadeua Zugang zu sauberem Wasser gewährt. Es werden zwei Tiefbrunnen gebohrt, die auch zur Trockenzeit das Grundwasser erreichen und ausreichend Wasser führen, um über Wasserleitungen im Dorf verteilte Zapfstellen zu versorgen.

Den Frauen und Mädchen wird damit das mühsame Wasserholen erspart und sie gewinnen Zeit für andere Tätigkeiten. Außerdem wird den Familien auch in den trockenen Monaten der Anbau von Obst und Gemüse in ihren Gärten ermöglicht.

Ergänzend zur Installation des Wasserversorgungssystems werden im Dorf Kurse durchgeführt, die die Familien über den richtigen Umgang mit Wasser (Trinkwasser, sauberes Wasser, Brauchwasser) informieren und sie darüber aufklären, wie mit einfachen Hygienemaßnahmen Krankheiten vermieden werden können. Auf diese Weise wird zusätzlich zu einer Verbesserung der Gesundheitssituation im Dorf beigetragen.

Mikrokredite bringen Entwicklung

Im Januar 2012 konnte das Projekt um eine zusätzliche Komponente, die Vergabe von Mikrokrediten, erweitert werden. Die Familien aus den Dörfern Nadeua und Khouan Chanh erhalten so die Möglichkeit, sich zum Beispiel mit Tierzucht oder dem Gemüseanbau ein stetiges Einkommen aufzubauen. Ohne diese Hilfe könnten sie das Land nicht bestellen oder eine Tierzucht aufbauen, da ihnen die notwendigen finanziellen Mittel für Saatgut, Ackergeräte oder die Anschaffung der Zuchttiere fehlen. Die Familien erhalten dafür Kredite in Höhe von zwei oder drei Millionen laotische Kip, das sind umgerechnet etwa 190 und 290 Euro. Um die teilnehmenden Familien gut vorzubereiten, wurden in den beiden Dörfern Schulungen zum Kreditmanagement durchgeführt. Die Kredite werden mit monatlich 0,5 Prozent verzinst. Kredithöhe und der niedrige Zinssatz wurden nach intensiven Recherchen und Marktuntersuchungen in der Region, aber auch unter Berücksichtigung von SODIs positiven Erfahrungen mit ähnlichen Mikrokreditprogrammen in Vietnam, festgesetzt. Die Kreditlaufzeit beträgt für alle Aktivitäten zwei Jahre. Wie bei SODIs Maßnahmen zur Einkommensschaffung in Vietnam ist auch in diesem Projekt das Mikrokreditprogramm in Form eines revolvierenden Fonds angelegt: Die Rücklaufmittel fließen in den Fonds zurück, sodass sie nach Abschluss eines Kreditzyklus weiteren Familien als Mikrokredite zum Aufbau von Einkommen zur Verfügung stehen.

Eigenverantwortung und Nachhaltigkeit

Lokaler Partner für dieses Projekt ist die Distriktverwaltung von Khamkeut. Diese hat einen Ausschuss zusammengestellt, der sich aus Vertretern aller für die Maßnahmen relevanten Abteilungen der Verwaltung (unter anderem die Büros für Bildungswesen, Gesundheit, Planung und Investitionen) zusammensetzt. Dieser Ausschuss ist bereits mit der Koordinierung der Kampfmittelräumung von SODI im Distrikt betraut und nun auch für die Durchführung der Entwicklungsprojekte verantwortlich. Der Ausschuss wird jedoch zusätzlich um Personen, die für die jeweiligen Maßnahmen wichtig sind, erweitert. Dazu gehören für das hier beschriebene Projekt die Bürgermeister beider Dörfer, der Schuldirektor von Khouan Chanh, Vertreter und Vertreterinnen des Frauen- und des Jugendverbandes der Dörfer.

Die Dorfbewohner von Khouan Chanh und Nadeua wurden von Anfang an in die Maßnahmen eingebunden. Die Dorfgemeinschaften selbst haben bestimmt, welche Unterstützung für sie am dringendsten ist. Bei der Planung der Projekte wurden sie stetig konsultiert und sie haben mit wertvollen Hinweisen zur Konzeption beigetragen. Auch bei der Umsetzung des Projektes wirken sie tatkräftig mit: Sie helfen bei den Bauvorbereitung der Schule, beim Verlegen der Wasserleitungen und bei der Einrichtung der Zapfstellen.

Projektlaufzeit

Juni 2011 bis April 2014

Projektkosten 

265.224 €  

Finanzierung

Fördermittel: 198.918 € (BMZ)

Spenden: 28.106 €

Lokaler Eigenbetrag: 38.200 € (in Form von Arbeitsleistung und Material)

Projektregion

Provinz Bolikhamxay, Distrikt Khamkeut, Laos

Partner

Distriktverwaltung von Khamkeut

Unterstützen Sie dieses Projekt

Der Bau einer Wasserzapfstelle für sieben bis neun Familien kostet 220 Euro an Spenden. Jeder Euro hilft!

SODI ist Mitglied des