Humanitäre Kampfmittelräumung und Entwicklung in Laos

Die Humanitäre Kampfmittelräumung wurde Ende 2013 abgeschlossen. Alleine 2013 hat SODI in Laos 3585 qm Fläche von Minen und Blindgängern befreit und dadurch wieder bewohnbar und landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Mehr als 15.000 Menschen profitieren.

Explosives Erbe des Zweiten Indochinakrieges

Laos ist die am stärksten bombardierte Nation der Welt. Mehr als zwei Millionen Tonnen Bomben mit über 186 verschiedenen Munitionsarten wurden im zweiten Indochinakrieg (1964 und 1973) über dem kleinen Land abgeworfen.

Schätzungen zufolge sind davon 30 Prozent nicht explodiert und als Blindgänger (sog. UXO = unexploded ordnance) zurückgeblieben. Auch 37 Jahre nach Kriegsende, sind noch immer etwa 25 Prozent aller Dörfer des Landes mit diesen Kriegshinterlassenschaften belastet. Einen großen Anteil darunter bildet die Submunition von Streubomben, die – in ihrer Wirkung Antipersonenminen ähnlich – Leben und körperliche Unversehrtheit der Bevölkerung bedroht und die Menschen daran hindert, dringend benötigtes Land für ihr Überleben zu nutzen.

Minen- und Blindgänger – tödliche Gefahr und Ursache von Armut

Die Belastung des Bodens mit Blindgängern ist in Laos eine erwiesene Ursache für Armut. Landwirtschaftliche Flächen können nicht, oder nur mit großem Risiko, genutzt werden. Die Bauern haben bei der Bestellung ihrer Felder Angst vor Unfällen und wagen es nicht in den Wald zu gehen. Dies hat für die hauptsächlich von kleinbäuerlicher Landwirtschaft (Subsistenzproduktion) lebende ländliche Bevölkerung schwerwiegende Folgen und versperrt ihnen den Weg aus der Armut.

Häufig sind auch Flächen in den Dörfern mit Blindgängern verseucht. Insbesondere wenn auf Kindergärten oder Schulhöfen Streubomben gefunden werden, ist ein schnelles Handeln notwendig. Die in Laos aufgefundene Munition ist meist vom Typ BLU-26 (siehe Foto). Die kleinen metallenen, aber höchst gefährlichen Kugeln, von den Laoten „Bombies“ genannt, locken Kinder zum Spielen und führen nicht selten zu tödlichen Unfällen. 

Projektregion – Der Distrikt Khamkeut

Die laotische Widerstandsbewegung Pathet Lao unterhielt im Distrikt Khamkeut (siehe Karte) mehrere Stützpunkte. Das Netz der Ho-Chi-Minh-Pfade diente der vietnamesischen Befreiungsbewegung als Nachschubroute. Aus diesen Gründen wurde die Region zum Ziel intensiver Luftbombardierungen. Der Distrikt in der Provinz Bolikhamxay gehört heute noch zu den am heftigsten mit UXO belasteten Regionen von Laos und ist mit einer Armutsrate von über 40 Prozent gleichzeitig einer der ärmsten Distrikte des Landes.

Weil die Finanzierung fehlt, wurde in Khamkeut bisher nicht geräumt. Provinz- und Distriktverwaltungen betonen jedoch, wie wichtig es sei, hier aktiv zu werden. Die Menschen haben kaum Zugang zu Bildung und gesundheitlicher Versorgung. An der in Laos ohnehin sehr langsamen wirtschaftlichen Entwicklung sind sie am Wenigsten beteiligt.

Mit Hilfe des SODI-Programms werden die Lebensumstände der Bewohner dieser Region nachhaltig verbessert: Durch die UXO-Räumung können dringend benötigte Flächen wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Entwicklungsprojekte in sehr armen Dörfern sollen die sozioökonomische Entwicklung der Region unterstützen. Ein wichtiger Bestandteil des Programms sind außerdem Maßnahmen zur Aufklärung der Bevölkerung zum richtigen Verhalten beim Auffinden von UXO (sog. Mine Risk Education). Dadurch soll die beträchtliche Zahl an Unfällen mit Blindgängern, die nicht selten auch tödlich enden, reduziert werden.

Wie wird das Programm umgesetzt?

Das integrierte Programm ist auf fünf Jahre angelegt. Der Schwerpunkt der Anfangsphase, die am 1. Juli 2009 begonnen hat, liegt auf dem Aufbau der Programmstrukturen. Die organisatorischen, logistischen und technischen Voraussetzung werden geschaffen. Räumarbeiter, die aus den betroffenen Gemeinden kommen, erhalten eine Ausbildung und beginnen mit ersten Räumaktivitäten in zwei besonders stark betroffenen Gemeinden des Distriktes. Nach und nach werden die Räumarbeiten auf weitere Gemeinden ausgeweitet. Zum Ende des Programms sollen im Distrikt alle Dörfer, die als schwer betroffen eingestuft wurden, beräumt worden sein.

Von Beginn an ist eines der Hauptziele des Programms die laotischen MitarbeiterInnen im Management und in der Räumtechnik zu qualifizieren. Das einheimische Personal soll Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernehmen, so dass nach fünf Jahren die Verantwortung für alle Aktivitäten weitestgehend in laotischen Händen liegen. Die Räumteams erhalten zu Beginn des Programms Unterstützung von zwei internationalen Experten der Kampfmittelräumung. Sie werden die Teams bei der praktischen Arbeit anleiten und ausbilden sowie dafür Sorge tragen, dass die Aktivitäten den internationalen und laotischen Standards zur humanitären Kampfmittelräumung entsprechen.

Besonderheiten: Die Bevölkerung beteiligt sich aktiv

Das integrierte Programm in Laos zeichnet sich dadurch aus, dass die Bevölkerung in allen Phasen des Programms aktiv beteiligt ist. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass das Programm als Projekt der Bevölkerung wahrgenommen, akzeptiert und unterstützt wird. Im entwicklungspolitischen Fachjargon wird dies die Förderung des „ownership-Prinzips“ genannt. Eine wichtige Voraussetzung für die Weiterführung der Aktivitäten in weiteren Gebieten nach Ende des SODI-Programms.

Die Beteiligung erfolgt dabei auf verschiedenen Ebenen: Lokale Behörden, soziale Organisationen und betroffene Dorfbewohner beraten gemeinsam mit SODI darüber, welche Flächen zuerst geräumt werden sollen und in welchem Bereich besonderer Bedarf für Entwicklungsprojekte besteht.

Darüber hinaus folgt das Programm dem Prinzip der „gemeindegestützten“ UXO-Räumung. Das heißt, sämtliches Projektpersonal kommt möglichst aus den betroffenen Gebieten. Die 19 RäumarbeiterInnen, die in der Anfangsphase im Programm beschäftigt sind, stammen allesamt aus der Region. Unter ihnen befinden sich auch sechs Frauen und ein großer Anteil an Angehörigen von Minderheiten. Zwei der drei SanitäterInnen, die zu den Räumteams gehören, sind ebenfalls Frauen.

Das neue SODI-Programm ist ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung der Streubomben-Konvention. Auch Laos unterstützt aktiv das Abkommen. Laos gehört zu den ersten fünf Staaten, die die Konvention ratifiziert und als Gastland zur 1. Konferenz der Mitgliedsstaaten ein Jahr nach Inkrafttreten der Konvention eingeladen haben. 

Entwicklungsprojekte: Armut bekämpfen!

Zunächst werden Entwicklungsprojekte in zwei Dörfern realisiert. Im Laufe des Programms weiten sich die Projekte auf Gemeinden im gesamten Distrikt Khamkeut aus. Inhalt und Zielsetzung der Projekte werden direkt mit den Menschen vor Ort abgesprochen. Nach ersten Beratungsgesprächen mit lokalen Behörden, der laotischen Frauenunion und Dorfbewohnern besteht besonderer Bedarf in folgenden Bereichen

- Grundschulbildung und Gesundheitsversorgung

- Wasserversorgung und Sanierung des Bewässerungssystems für die Landwirtschaft

- Einkommen schaffende Maßnahmen (z.B. Kleinkredite für Tierhaltung)

Hier finden Sie die das aktuelle Entwicklungsprojekt des Integrierten Programms in Laos...


Projektflyer

Projektlaufzeit

Humanitäre Kampfmittelräumung

Januar 2009 bis Dezember 2013

Entwicklungsprojekte

Bildung und Wasser für Laos

Projektregion

Zentrallaos, Provinz Bolikhamxay, Distrikt Khamkeut, Laos

Projektpartner

Entwicklungsprojekte

Distriktverwaltung Khamkeut, GLAD

SODI ist Mitglied der internationalen Kampagnen gegen Landminen und Streubomben (International Campaign to Ban Landmines und Cluster Munition Coalition). SODI setzt sich für die Umsetzung der völkerrechtlichen Abkommen zum Verbot von Antipersonenminen und Streumunition und eine umfassendere Opferunterstützung ein.

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