Frauen sind die treibende Kraft bei der sanitären Verbesserung
Namibia unterscheidet sich, was die Situation der Frauen in der sanitären Versorgung angeht, vermutlich kaum von den umliegenden Ländern. Hier wie dort sind Frauen in die Entscheidungsprozesse um notwendige Veränderungen nur marginal eingebunden.
Johanna Hamupembe litt lange unter fehlender sanitärer Versorgung. Mit ihren zwei Kindern Daniel und Willem lebt sie allein in Orwetoveni am Stadtrand Otjiwarongos in Namibia. „Es ist nicht leicht, alles allein zu machen. Früher hatte ich oft Angst in meiner Wellblechhütte und die Kinder waren oft erkältet oder hatten Durchfall“, berichtet Frau Hamupembe und führt dies zurück auf die schlechten hygienischen Bedingungen in und um ihre Hütte.
Die Hygienesituation für namibische Frauen ist insbesondere in ländlichen Gebieten und in den Squatter-Camps unerträglich. Da es nahezu keine Sanitäranlagen gibt, verrichten die Menschen ihre Notdurft im „Busch“ oder in eine Plastiktüte, die irgendwo in der Landschaft, meist direkt hinter der eigenen Hütte, liegen gelassen wird. So wird die Verbreitung von Krankheitserregern beschleunigt, die Gesundheit vor allem von Kindern stark gefährdet.
Das Fehlen von Toiletten hat zudem schwerwiegende Auswirkungen auf die Lebenssituation von Frauen und Mädchen. Sie versuchen den Gang in den „Busch“, so oft es geht zu vermeiden, denn dort besteht die permanente Gefahr von Überfällen und Vergewaltigungen. Aus Angst trinken viele Frauen zu wenig – mit gesundheitlichen Folgen. Zudem brechen junge Mädchen in der Pubertät häufig die Schule ab, wenn dort keine Sanitäranlagen vorhanden sind. Das begünstigt den Kreislauf aus fehlender Bildung, Armut und Benachteiligung von Frauen.
In Otjiwarongo baut SODI zusammen mit dem Clay House Project und mit Unterstützung der Europäischen Union sowie privaten Spenden 400 der sogenannten Otji-Toiletten. Weitere 200 dieser Trockentoiletten entstehen in anderen Landesteilen. Bisher sind es in der Mehrzahl Frauen, welche sich für den Bau einer Toilette auf dem eigenen Grundstück begeistern können und bereit sind, dafür einen Teil ihres Geld zu investieren.
Frau Hamupembe konnte mit Hilfe eines anderen SODI-Projektes aus ihrer Wellblechhütte in ein stabiles Lehmhaus ziehen. Zudem steht eine Otji-Toilette auf ihrem Grundstück - ganz in der Nähe des Hauses. Für sie ist es wie ein neues Leben. Ungern erinnert sie sich an die Zeiten ohne Toilette, zeigt lieber ihr neues „Herzhäuschen“, das sie immer sauber hält und zudem abgeschlossen werden kann.
Die Namibische Regierung erarbeitet derzeit eine „Sanitation Strategy“ für die Jahre 2010 bis 2015. Durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit, geeignete Steuerungsmaßnahmen und finanzielle Hilfen für bislang benachteiligte Regionen soll Namibia dem Ziel einer nahezu 100%igen Versorgung mit Sanitäranlagen näher gebracht werden. Insbesondere die ländlichen Gebiete sollen zu 100% mit Trockentoiletten, einer kostengünstigen und umweltfreundlichen Technologie, ausgestattet werden.
Die Umsetzung der neuen „Sanitation Strategy“ wird für einen gewaltigen Beschäftigungsschub sorgen. Von diesem werden auch Frauen profitieren, da sie in Namibia oft in Berufen tätig sind, die in Deutschland als reine Männerberufe gelten. Sie fertigen Betonteile, schweißen Toilettentüren, sie mauern und streichen die Toilettenhäuser. Eine von ihnen ist Frau Hamupembe. Nachdem sie in der Lehmziegelherstellung für ihr Haus erste Erfahrungen gesammelt hat, qualifizierte sie sich vor kurzem als Schweißerin. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe, aber nun verdiene ich selber den Lebensunterhalt für mich und meine Kinder. Es gibt so wenig Arbeit in Otjiwarongo und fast keine meiner Freundinnen arbeitet. Sie sind abhängig von den Männern - das ist nicht immer gut für sie,“ erklärt sie.
Das SODI-Programm zum Bau von Toiletten fördert in erster Linie die heimische Wirtschaft, da die Baustoffe lokal produziert und verarbeitet werden. Zudem bietet es die Chance, Frauen an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Es ist generell zu fordern, dass Investitionen größeren Umfanges, wie sie in vielen Kommunen und Regierungsbezirken erforderlich sind, nur unter der Beteiligung des Namibischen Ministeriums für Geschlechtergerechtigkeit und Kinderfürsorge sowie lokaler Frauenorganisationen getroffen werden.
Das namibische Clay House Project ist für alle Fälle gut gerüstet, denn mittlerweile sind 12 Personen darin geschult die notwendigen Toilettenteile herzustellen; 9 davon sind Frauen. Bitte unterstützen Sie das SODI-Projekt und helfen Sie mit bei der Verbesserung der hygienischen Bedingungen in Namibia.
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26.09.2009
Projekt-Informationen:
600 Trockentoiletten für Namibia (Namibia)
