Fußballweltmeisterschaft 2010: Herausforderungen und Chancen für Südafrika
Im Juni und Juli wird die Weltöffentlichkeit nach Südafrika schauen – zum ersten Mal finden die Fußball-Weltmeisterschaften in Afrika statt. Für die junge Demokratie Südafrika ergeben sich Chancen, aber auch Herausforderungen. Beides bewegt sich in einem konfliktreichen Spannungsfeld.
80 Jahre nach der ersten Fußball-Weltmeisterschaft (WM) wird das Turnier zum ersten Mal in Afrika ausgetragen. Die Frage, die oftmals gestellt wird, ist, ob Südafrika in der Lage sein wird, ein sportliches Großturnier zu organisieren, welches den Ansprüchen genügt. Aus den aktuellen Meldungen zeigt sich, dass Südafrika es kann – wenn auch vielleicht nicht perfekt. Alle Stadien werden fertig gestellt, Infrastrukturen wurden verbessert. Auch der Kartenverkauf nimmt stetig zu.
Zwischen positivem Bild und Klischees
Nach dem Kameruner Politikprofessor Achille Mbembe bietet die WM die Möglichkeit, ein positives Bild von Afrika zu vermitteln – ein Kontinent der auch mal gewinnt, anstatt immer zu verlieren. Jedoch besteht auch die Gefahr, dass wir in den Medien ein Afrika präsentiert bekommen, welches von Stereotypen und Klischees überfrachtet wird.
Wer profitiert von der WM?
Mbembe merkt an, dass die WM die strukturell verursachten Probleme wie Armut, Kriminalität und Arbeitslosigkeit nicht ändern kann. Dazu bedarf es eines grundlegenden Wandels. Auch sonst zeigt sich, dass sich Vorbereitung und Wirkung der WM in einem Spannungsfeld bewegen. Es ist eine entscheidende Frage, wie SüdafrikanerInnen von der WM profitieren können?
Im Zuge der Vorbereitungen kam es zu vielen Investitionen in Flughäfen, Stadionneubauten oder Infrastruktur wie Straßen oder Züge. Im alltäglichen Leben werden SüdafrikanerInnen von diesen Investitionen nur gering profitieren. Im Gegenteil gilt es zu erwarten, dass viele Bauarbeiter nach der WM ihre Jobs verlieren werden. Auch werden viele Neubauten als reine Prestigebauten gegeißelt. Deren Geld hätte man für die soziale Entwicklung ausgeben sollen, wie einfache Fußballplätze für Kinder, lauten Meinungen. Ähnlich wie mit den Investitionen verhält es sich mit den möglichen Gewinnen. Bis zu drei Milliarden Euro Einnahmen werden aus der WM erwartet, wo wird die südafrikanische Regierung mögliche Gewinne investieren?
Kleine Straßenhändler sind von Vertreibungen in den Austragungsstädten betroffen. Auf diese Situation macht zum Beispiel die Kampagne „Kick for one World“ aufmerksam (siehe Seite 8). Ins Bild einer „perfekten“ Weltmeisterschaft passen ebenfalls nicht die Straßenkinder oder Bettler. Armutsbedingt an den Rand der Gesellschaft gedrängt, mussten und müssen sie mit Vertreibungen aus den Innenstadtgebieten rechnen. Gerade auch für Touristen sollen sie nicht im Stadtbild sichtbar sein.
Unfaire Berichterstattung?
In die gleiche Richtung muss das Thema „Kriminalität“ eingeordnet werden. Seit der Vergabe der WM an Südafrika steht die Kriminalität – die natürlich ein immenses Problem ist – im Fokus der westlichen Medien. Südafrikanische Verantwortliche verweisen jedoch darauf, dass zu keinem großen Sportereignis oder Weltgipfel der Vereinten Nationen in Südafrika, jemals ein Gast zu schaden gekommen ist.
Staatswerdung durch Fußball?
Es kann darauf gehofft werden, dass die WM in Südafrika zur Herausbildung einer gemeinsamen Identität und Staatswerdung (so genanntes Nation-building) beitragen kann. Die langfristige Herausbildung dieser gemeinsamen Identität kann sich jedoch ohne die Überwindung sozialer Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen sowie armen und reichen Schichten kaum entwickeln.
„Ke Nako“ – „Es ist Zeit“: Das Motto für die WM gilt sowohl für den Start der ersten Weltmeisterschaft in Afrika, als auch für die weitere Entwicklung in Südafrika.
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29.06.2010
Projekt-Informationen:
Keep Safe – AIDS-Aufklärung in Südafrika (Südafrika)