20 Jahre SODI in Südostasien – eine lange Geschichte
SODI in Vietnam, Laos und Kambodscha sind Teil einer langen Tradition der Solidarität mit den Völkern dieser Länder.
An deren Anfang stand vor 60 Jahren ein Aufruf aus der DDR an deutsche Soldaten in der französischen Fremdenlegion, sich nicht gegen das vietnamesische Volk missbrauchen zu lassen. Später leisteten Tausende Ostdeutsche einen beachtlichen Beitrag zur weltweiten Solidaritätsbewegung gegen den schmutzigen Krieg der USA in Vietnam und seine Ausdehnung auf Laos und Kambodscha und schließlich auch zum Wiederaufbau.
Auch heute noch spielt die Überwindung von Kriegsfolgen eine wichtige Rolle in der Solidaritätsarbeit. Hierfür stehen die international beispielgebenden SODI-Programme, die seit 1998 in Vietnam und seit 2009 in Laos humanitäre Räumung explosiver Hinterlassenschaften des Krieges mit Entwicklungsvorhaben zur Überwindung der Armut verbinden. Solidarität und entschiedenes Eintreten für Frieden und Abrüstung gehören damals wie heute zusammen. Deshalb ist SODI in der internationalen Kampagne gegen Minen und Streumunition aktiv. Wir unterstützen die Forderung vietnamesischer Opfer des Entlaubungsgiftes Agent Orange, Herstellerkonzerne und Kriegsprofiteure wie Monsanto zur Verantwortung zu ziehen.
Die wohl wichtigste Konstante der solidarischen Tradition, in der SODI sich sieht, ist jedoch die Verbundenheit vieler Menschen mit Vietnam, Laos und Kambodscha. Diese bildete sich vor Jahrzehnten heraus und wurde an nachfolgende Generationen überliefert. Sie verpflichtete SODI, die Brüche hinsichtlich der nationalen und inter-nationalen Rahmenbedingungen für die Solidaritätsarbeit nach 1989, die Veränderung ihrer Inhalte und Formen als Herausforderungen für die künftige Arbeit anzunehmen. Öffentliche Fördertöpfe schienen damals unerreichbar. Das Auswärtige Amt anerkannte die Arbeit von SODI schließlich 1997 mit der Finanzierung der humanitären Kampfmittelräumung im Rahmen des Integrierten Programms in Quang Tri. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zog bald nach.
Gemeinsam mit den Freunden in Südostasien lernte SODI ab 1990 gleichsam aus dem Stand heraus, Entwicklungsprojekte zu konzipieren und durchzuführen. Bald konzentrierten sich die Projekte der Hilfe zur Selbsthilfe im ländlichen Raum, dort, wo die Armut am größten ist. Vor allem Frauenorganisationen haben sich als zuverlässige Projektpartner erwiesen. Sie kennen die Entwicklungsbedürfnisse in den Dörfern gut und verstehen es, die Menschen zur aktiven Teilnahme an den Projekten und zur Übernahme von Eigenverantwortung zu motivieren. Besonders gut gelingt dies der kambodschanischen Frauenorganisation CWPD und der Vietnamesischen Frauenunion in der Provinz Nghe An.
Die Partnerinnen helfen uns, die Lebenssituation der Menschen trotz unserer begrenzten eigenen Vor-Ort-Erfahrungen besser verstehen zu lernen. Nun gilt es, die Wirkungen der Projekte für die Beteiligten und ihr Umfeld noch konkreter zu erfassen. Dies wird die Überzeugungskraft unserer praktischen Solidarität stärken.
Schlüsselfragen der Armutsbekämpfung wie Grundbildung, Gesundheit, Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung, berufliche Ausbildung von Frauen und die Förderung von Einkommenserwirtschaftung, insbesondere in der Landwirtschaft, stehen im Mittelpunkt der Projekte. Der Aufbau von vier Dörfern in den Provinzen Quang Tri und Thua Thien Hue verknüpfte fast alle diese Schwerpunkte. Auch die anderen Projekte am 17. Breitengrad in Vietnam und die ländlichen Entwicklungsprogramme in Kambodscha mit dem Bau von Brunnen,
Hygienekursen und der Errichtung von Grundschulen sind von beachtlicher Komplexität. Gleiches traf auf ein Programm zur Rehabilitation von Menschen mit Behinderung in Nghe An zu. Letzteres regte uns zudem an, die Belange von Behinderten in allen SODI-Projekten durchgängig zu beachten. Das laufende Projekt in Nghe An zum beruflichen Training von Frauen verbunden mit Aufklärung und Beratung über Arbeitsrecht und Geschlechtergleichstellung verweist darauf, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern in Vietnam verstärkt auch einem anderen Entwicklungserfordernis entsprechen: Der Befähigung von Menschen, ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen. Seit längerem suchen wir mit unseren Freunden nach Wegen, das Umweltbewusstsein zu fördern – eine Aufgabe der, infolge der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung und der Folgen des Klimawandels, insbesondere in Vietnam hohe Priorität zukommt.
Letztlich wird viel davon abhängen, ob es gelingt, die Solidarität mit Vietnam, Laos und Kambodscha auf der Höhe der Zeit weiter zu entwickeln. Krieg und Nachkriegszeit sind für die Internet-Generation ferne Geschichten. Die jungen Leute sind vor allem durch das Aufgreifen brennender Probleme von heute zu interessieren. Sie werden sich dabei historischen Rückgriffen und insbesondere der traditionellen Verbindung von Frieden und Solidarität nicht verschließen und Geschichte – vielleicht, hoffentlich – als Quelle der Inspiration annehmen.
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21.06.2010
Projekt-Informationen:
Siedlung Lim: Zukunft auf sicherem Grund (Vietnam)
Berufliches Training und Beratung für Frauen (Vietnam)
Humanitäre Kampfmittelräumung und Entwicklung in Vietnam (Vietnam)
Für die Rechte der Kinder: Ein Kindergarten in Hai Lam (Vietnam)
Humanitäre Kampfmittelräumung und Entwicklung in Laos (Laos)
Kinder haben Rechte (Vietnam)