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Kambodscha-KhmerRouge-Gedenkstaette
Einer von vielen Gedenksteinen für die Opfer des Pol Pot Regimes
 
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Vergangenheit und Gegenwart – Die Aufarbeitung des Roten Khmer Regimes

von Frank Ludwig, Projektmanager

Meine erste direkte Begegnung mit einer Gedenkstätte des Pol Pot Regimes fand im Oktober 1990 statt, da ich damals im Auftrag des neu gegründeten SODI e.V. zu einer ersten Evaluierung neuer Projekte in Kambodscha war.

Von 1993 bis 2005 habe ich dann in Kambodscha gelebt und lange in der Reisebranche gearbeitet. Dabei habe ich vielen Besuchern das ehemalige Vernichtungslager Tuol Sleng in Phnom Penh, bekannt als Lager S21, gezeigt und erläutert. Eines Tages begleitete mich eine Kollegin auf eine meiner Führungen. Sie hatte mir einst erzählt, ein Onkel sei in Tuol Sleng umgekommen. Wie gewohnt, kamen wir dann im Gebäude drei zu den langen Wänden der Photographien von Häftlingen, die kurz nach ihrer Einlieferung angefertigt wurden. Nur einige Photos der insgesamt etwa 15.000 Opfer hängen dort aus. Vor einem dieser Photos blieb meine Begleitung länger stehen. Angesichts ihrer Tränen konnte ich ahnen, dass das scheinbar Unmögliche eingetreten war – sie hatte auf einem dieser Photos ihren Onkel entdeckt. Nach diesem Erlebnis waren die Führungen durch das Museum für mich doppelt so schwer.

Es vergingen 24 Jahre nach dem Sturz des Pol Pot Regimes bis sich die Vereinten Nationen und die derzeitige kambodschanische Regierung in einem Abkommen im Jahr 2003 darüber einigten, ein Gericht aus kambodschanischen und internationalen Richtern einzusetzen, um über die Verantwortlichen für den Tod von etwa 1,5 bis 2 Millionen Opfern des Pol Pot Regimes zu richten. Am 20. November 2007 begann das Tribunal seine erste öffentliche Anhörung. Lediglich fünf Anführer des ehemaligen Khmer Rouge Regimes (Rote Khmer) wurden bisher angeklagt. Die Urteilsverkündung wurde ursprünglich für September 2009 erwartet, sie wird sich aber möglicherweise bis Ende 2010 oder sogar 2011 verzögern.

Seitens einiger Beobachter wird darauf verwiesen, dass die kambodschanische Regierung mit diesem Prozess und seinen fünf Angeklagten davon ablenken will, dass Tausende ehemaliger Führungskräfte der Khmer Rouge heute führende Regierungsämter bekleiden. Zurecht verweist die Regierung darauf, dass die Verantwortung für das Geschehen von 1975 bis 1979 viel komplexer ist. Die Liste der Verantwortlichen ist lang. Einer der Hauptakteure bei der Destabilisierung des bis 1970 neutralen Kambodschas waren die USA. Mit ihrer Hilfe wurde der Putsch von General Lon Nol inszeniert. Schätzungen der Opferzahlen des intensiven Bombenkrieges der amerikanischen Luftwaffe in dieser Zeit reichen bis 400.000. Mitverantwortung trägt auch China, welches 1975 bis 1978 das Pol Pot Regime massiv unterstützt hat. Und letztlich waren es die Vereinten Nationen, die mit der Stimmenmehrheit der Vollversammlung von 1980 bis 1992, einer von den Roten Khmer geführten Regierung einen Sitz in der UNO ermöglichte. Es ist davon auszugehen, dass die Khmer Rouge in ihrem Kampf gegen die vietnamesische Besetzung und die anschließend gewählte Regierung (1978-1989) auch durch verdeckte Waffenlieferungen von westlicher Seite unterstützt wurden. So setzten sie beispielsweise Panzerabwehrwaffen der westdeutschen Firma MBB im Kampf gegen die Regierungstruppen ein. Darüber hinaus ist bekannt, dass die Roten Khmer und ihre Verbündeten vom britischen Special Air Service im Umgang mit Landminen und anderen Waffen geschult wurden. Die umfassende Aufarbeitung der Khmer Rouge wird demnach noch viele Jahre benötigen.

Die Roten Khmer waren von 1975 bis 1979 in Kambodscha an der Macht. Der Anführer dieser kommunistischen Guerillabewegung war Pol Pot († 1998). Die Roten Khmer wollten einen Bauernstaat errichten und so wurden vor allem Intellektuelle und Regimekritiker auf grausame Art und Weise ermordet. Zwischen 1,5 bis 2 Millionen Menschen fielen dem Regime zum Opfer.

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20.06.2010

Projekt-Informationen:

Brunnen in Pro Phnom (Kambodscha)

 
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