Über eine Energiewende hinaus
Mit den Protesten der vergangenen Monate hat sich die Anti-Atom-Bewegung eindrucksvoll und jünger und agiler denn je zurückgemeldet. Was am 9. September des vergangenen Jahres – als 50.000 Menschen in Berlin gegen die Atompolitik der Bundesregierung auf die Straße gingen – schon ein riesiger und unerwarteter Erfolg war, wurde nun mit der Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel noch einmal in den Schatten gestellt.
Unter dem Motto „KettenreAktion – Atomkraft abschalten!“ nahmen am 24.04.10 – zwei Tage bevor die Katastrophe von Tschernobyl sich zum 24. Mal jährte – 120.000 Menschen aus der ganzen Republik an der 120 Kilometer langen Menschenkette teil.
Auch das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC, in dem SODI Mitglied ist, hat sich intensiv an der Mobilisierung und den Protesten beteiligt. Doch verstehen wir unsere energie- und klimapolitische Arbeit nicht ausschließlich als Widerstand gegen die Gefahren und Profiteure der Atomenergie, denn die Zukunft der Energieversorgung muss nach unserer Ansicht nicht nur ökologisch sein – auf der Basis erneuerbarer Energien – sondern ebenso sozial und konzernfrei, d. h. dezentral und demokratisch kontrolliert. Darüber hinaus wird angesichts des Klimawandels der Ruf nach Klimagerechtigkeit immer lauter. Dringend notwendig ist die Anerkennung der Klimaschuld der Industrieländer gegenüber den Ländern des Südens. Nach 200 Jahren verheerender kapitalistischer Wachstumslogik ist ein ‚weiter so‘ im Angesicht multipler gesellschaftlicher Krisen nicht mehr möglich. Notwendig ist ein tiefgehender Wandel der herrschenden Produktions- und Konsumverhältnisse. Ein Kapitalismus im grünen Gewand, a la Green New Deal, kann in diesem Sinne keine Lösung sein.
13.06.2010
Projekt-Informationen:
Tschernobyl-Kinder nicht vergessen (Belarus)