30 Jahre Partnerschaft Lichtenberg–KaMubukwana: Vom Ehrenamt zum nachhaltigen Entwicklungsprojekt

Die Anfänge: Eine Partnerschaft von unten
Mit dem Ende der DDR brachen die meisten offiziellen Beziehungen zu Mosambik ab. Viele mosambikanische Vertragsarbeiter mussten ohne Absicherung in ihr vom Bürgerkrieg erschüttertes Heimatland zurückkehren.
In Berlin-Lichtenberg gab es jedoch Menschen, die Verantwortung übernehmen wollten. 1990 gründete sich die Entwicklungspolitische Gesellschaft e.V. (EpoG). Gemeinsam mit der Vereinigung ehemaliger Vertragsarbeiter AMAL aus Maputo suchte man nach Wegen, die Verbindung lebendig zu halten.
Schon 1993 kam es zum ersten kommunalpolitischen Dialog in Lichtenberg, begleitet von Containeraktionen mit Hilfsgütern, einer Schulpartnerschaft und Kooperationen mit Frauenorganisationen.
Am 22. August 1995 war es schließlich so weit: Die erste und bis heute einzige Städtepartnerschaft zwischen einem Berliner Bezirk und einer afrikanischen Kommune wurde offiziell besiegelt.
Engagement in Zeiten des Umbruchs
Die 1990er Jahre waren für beide Partner von tiefen Veränderungen geprägt. Während Mosambik nach dem Bürgerkrieg mühsam zivilgesellschaftliche Strukturen aufbaute, erlebte Ostdeutschland den Übergang in ein neues politisches System mit Arbeitslosigkeit und gesellschaftlichem Umbruch.
Mit viel Kreativität und Idealismus entstanden Projekte, die direkt das Leben von Menschen verbesserten:
- Schulpartnerschaften und Benefizläufe wie der "run for help"
- Betreuung ehemaliger Kindersoldaten und kriegstraumatisierter Kinder
- Austauschprogramme für Fraueninitiativen und Fachkräfte im Gesundheitswesen
- Aufbau eines Frauenzentrums in KaMubukwana
- Jugendwochen und Zivildienstprogramme
Besonders beliebt war das jährliche "Mosambikfest in Lichtenberg", das Berliner:innen und Mosambikaner:innen zusammenbrachte und die Partnerschaft sichtbar machte.
Zwischen Ehrenamt und Professionalität
Die Professionalisierung brachte auch Veränderungen im Selbstverständnis. Während in den Anfangsjahren viele Ehrenamtliche in Lichtenberg tatkräftig Container packten, Feste organisierten und Schulen vernetzten, steht heute die Arbeit mit großen Projektmitteln im Vordergrund.
Für manche bedeutet das den Verlust an Nähe und persönlichem Engagement. Gleichzeitig zeigen die Fortschritte in KaMubukwana, wie wichtig diese Entwicklung war: mehr Verantwortung in Schulen und Verwaltung, sichtbare Verbesserungen im Stadtbild, internationale Anerkennung.
Der Text basiert auf den Erinnerungen von Renate Gudat, ehem. Geschäftsführerin der Entwicklungspolitischen Gesellschaft (EPoG e.V.), die diese bewegende Geschichte für uns aufgeschrieben hat. In Ihrem Schreiben resümiert Renate Gudat:
„Und so ist und bleibt es eine gute, zukunftsfähige Geschichte, auf kommunaler Ebene miteinander vernetzt und verbunden zu sein – wie in unserem Beispiel Berlin-Lichtenberg und Maputo-KaMubukwana.“
Ihre persönliche Sicht auf die 30 Jahre kommunale Partnerschaft können Sie in ihrem ausführlichen Bericht hier nachlesen.
Download: 30 Jahre Kommunale Partnerschaft - Renate Gudat



Städtepartnerschaft offiziell entfristet
30 Jahre nach der ersten Vereinbarung wurde die Partnerschaft zwischen Lichtenberg und KaMubukwana anlässlich des Jubiläums nun offiziell entfristet.
Das ist ein starkes Zeichen für ihre Zukunftsfähigkeit. Damit ist sie dauerhaft gesichert und bleibt ein Beispiel für gelungene Entwicklungszusammenarbeit.
Ausblick
Was als Initiative weniger Engagierter begann, ist heute eine dauerhafte Kooperation zweier Kommunen, getragen von gegenseitigem Respekt, gewachsenem Vertrauen und der Überzeugung, dass nachhaltige Entwicklung nur im Miteinander gelingt.
Doch bei aller notwendigen Professionalisierung gilt: Ohne das persönliche Engagement von Menschen, die sich einbringen, spenden oder eine eigene Aktion starten, wären Programme wie diese nicht möglich.
Mit der Kampagne 35 Jahre SODI - 35 Aktionen für Solidarität ermöglichen wir Ihnen, sich mit Ihrer eigenen Aktion zu engagieren.
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