So viel Wasser steckt in einem Burger
Mehr, als es auf den ersten Blick scheint. In all diesen Produkten steckt sogenanntes virtuelles Wasser – also das gesamte Wasser, das bei der Herstellung verbraucht wird. Der Anbau von Baumwolle, die Viehzucht für Leder und Fleischkonsum oder der Anbau von Lebensmitteln benötigt enorme Wassermengen, zum Beispiel zur Bewässerung, Mästung, Reinigung oder Veredelung, oft in Regionen, in denen Wasser ohnehin schon knapp ist. Wussten Sie zum Beispiel, wie viel virtuelles Wasser in einem Burger steckt?

Wasser und globale Ausbeutung
Dieses Verhältnis ist Ausdruck eines globalen Wirtschaftssystems, das auf kolonialen Ausbeutungsverhältnissen basiert. Seit über 500 Jahren exportieren Länder Europas ihre Ansprüche auf Ressourcen, Land und Arbeit in den Globalen Süden. Auch Wasser war und ist davon betroffen. Der Zugang zu sauberem Wasser wird vielerorts eingeschränkt, sei es durch Umweltverschmutzung, industrielle Landwirtschaft, Bergbauprojekte oder durch die zunehmende Privatisierung von Wasserquellen. Während Konzerne Gewinne erzielen, zahlen lokale Gemeinden den Preis: mit verseuchtem Trinkwasser, zerstörten Lebensgrundlagen und oft auch mit ihrer Gesundheit.
Bildungsarbeit für eine solidarische Welt
Bei SODI beschäftigen wir uns in verschiedenen Projekten mit dem Thema Wasser sowohl in Partnerländern als auch in unserer Bildungsarbeit in Deutschland. Im Globalen Lernen nutzen wir Wasser gezielt als lebensnahes Beispiel, um auf globale Ungleichheitsverhältnisse aufmerksam zu machen und Fragen zu stellen wie:
- Wer hat Zugang zu sauberem Wasser und wer nicht?
- Wer profitiert von der Ausbeutung?
- Und welche Handlungsmöglichkeiten haben wir?
Um diese Geschichten und Verhältnisse sichtbar zu machen und sie durch unsere Materialien im Globalen Lernen bis in die Schulklassen zu bringen, baten wir verschiedene Aktivist:innen im Globalen Süden, uns ihre Erfahrungen zu erzählen.
So sandte uns beispielsweise Enock Mwewa, Geschäftsführer von Environment Savers Zambia, einer unserer Partner im Globalen Lernen, ein Beispiel aus Sambia: In der Bergbauregion Chingola wurden über Jahre hinweg Flüsse durch giftige Abwässer des britischen Konzerns Vedanta Resources verschmutzt. Menschen verloren ihr Vieh, ihre Felder und ihre Angehörigen. Viele erkrankten schwer oder starben an dem verseuchten Trinkwasser.
Erst 2021, nach fast zwei Jahrzehnten, reichten 2.500 Dorfbewohnerinnen Klage beim High Court in London ein und zwangen den Konzern zu einer Entschädigungszahlung. Wasser ist also weit mehr als nur eine Umweltressource.
Mut und Widerstand
Diese und viele andere Geschichten sind Beispiele dafür, wie eng globale Machtverhältnisse, Konsum und Ausbeutung miteinander verknüpft sind. Gleichzeitig sind es Geschichten von mutigen Menschen, die sich verbünden und für gerechtere Verhältnisse und Lebensbedingungen kämpfen. Denn Wasser ist ein Menschenrecht.
Enock Mwewa von Environment Savers Zambia sagt:
„Wenn Wasser vergiftet ist, dürsten die Menschen nach Gerechtigkeit. Sie warten nicht einfach ab. Sie kämpfen. Sie verteidigen. Sie holen sich zurück, was ihnen gehört. Und dabei erinnern sie die Welt: Wasser ist Leben – und Leben ist es wert, darum zu kämpfen.“
Und globale Gerechtigkeit beginnt mit Bewusstsein – auch für das, was scheinbar ganz selbstverständlich aus unserem Wasserhahn fließt und durch virtuelles Wasser in all unseren Produkten steckt.
Setzen Sie sich für Wassergerechtigkeit ein
Was können wir von hier aus eigentlich tun, um zu mehr Wassergerechtigkeit beizutragen?
Eins ist klar: Einzelne können nicht alles verändern. Deshalb braucht es politische Rahmenbedingungen – etwa ein starkes Lieferkettengesetz, das Unternehmen wirklich in die Pflicht nimmt, Menschenrechte und Umweltstandards weltweit zu achten.
Aber vieles beginnt schon im Kleinen: bewusster mit Wasser umgehen, weniger Lebensmittel verschwenden oder beim Einkaufen öfter mal zu regionalen und fair produzierten Produkten greifen. Auch unser Kleiderschrank spielt eine Rolle – jede Jeans, die wir länger tragen oder reparieren, spart Ressourcen.
Und vor allem braucht es Bildung: Bei SODI setzen wir mit Globalem Lernen genau da an – machen globale Zusammenhänge greifbar, Ungerechtigkeiten sichtbar und überlegen gemeinsam, wie wir ins Handeln kommen können.
Denn Veränderung beginnt mit dem Verstehen, um dann gemeinsam Handlungsspielräume zu entdecken.
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