Den Frieden erhalten – Existenzsicherung im Klimawandel
„Wer hungert oder dürstet, kann keinen Frieden bewahren." Für die Nepal Peace Initiative (NPI) definiert sich echter Frieden jenseits der bloßen Abwesenheit physischer Gewalt durch die Gewährleistung materieller Lebensgrundlagen. Seit ihrer Gründung 2014, in einem Moment politischer Fragilität Nepals, arbeitet die Organisation daran, die Kluft zwischen staatlichen Entscheidungsstrukturen und der Bevölkerungsebene zu überbrücken. Dabei hat sich der strategische Fokus verschoben: Klimawandel, Wasserknappheit und soziale Ungleichheit werden nicht länger als rein Umweltthemen betrachtet, sondern als primäre Risikofaktoren für die langfristige Friedenssicherheit, da sie bestehende Konfliktdynamiken verschärfen.
Frauen als zentrale Akteurinnen der Resilienz und Governance
Angesichts massiver männlicher Migration übernehmen Frauen zunehmend die Verantwortung für Haushaltsführung, Landwirtschaft und sozialen Zusammenhalt unter extremen ökonomischen und ökologischen Belastungen. Sie entwickeln sich dabei von marginalisierten Leidtragenden zu treibenden Kräften der lokalen Anpassungsstrategien. Eine bloße symbolische Partizipation genügt jedoch nicht; entscheidend ist die Anerkennung von Frauen als Führungskräfte mit echtem Einfluss auf die Agenda-Setting-Prozesse. Häufig werden Lösungen nach wie vor für, statt mit den Gemeinden entwickelt.
Das Ziel der nächsten fünf Jahre ist daher eine substanzielle Inklusion, bei der marginalisierte Gruppen, insbesondere Dalit-Frauen, nicht nur repräsentiert sind, sondern die politischen Räume aktiv definieren.
Das untenstehen Interview erschien in der aktuellen Ausgabe unseres entwicklungspolitischen Magazins WEITWINKEL.

Was waren die Anfänge Ihrer Organisation?
Die Nepal Peacebuilding Initiative (NPI) wurde 2014 in einem sehr heiklen Moment der nepalesischen Geschichte gegründet. Das Land durchlebte einen politischen Umbruch und eine Verfassungsreform, und viele Menschen litten noch immer unter den Nachwirkungen des bewaffneten Konflikts (1). Es bestand ein dringender Bedarf an Friedensarbeit, die nicht nur auf nationaler Ebene diskutiert, sondern auch im Alltag der Menschen verankert sein sollte. NPI wurde gegründet, weil wir die Kluft zwischen den Gemeinschaften und den politischen Entscheidungsträger:innen erkannten, weshalb viele Stimmen ungehört blieben.
Von Anfang an war unser Hauptziel, zu einem friedlicheren, gerechteren und inklusiveren Nepal beizutragen. Wir wollten Gräben überbrücken, den Dialog stärken und sicherstellen, dass die Gemeinschaften selbst an der Vorbereitung der Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, beteiligt werden. Im Laufe der Zeit hat sich unsere Arbeit weiterentwickelt. Wir erkannten immer mehr, dass Frieden nicht nur die Abwesenheit von Gewalt bedeutet. Es geht auch darum, dass Menschen Respekt und Gerechtigkeit erfahren, Zugang zu Ressourcen haben und die Chance auf ein Leben in Sicherheit bekommen. Aus diesem Grund wurde der Umgang mit dem Klimawandel zu einem wichtigen Teil unserer Arbeit. Wir sehen heute deutlich, dass Umweltbelastungen die soziale Ungleichheit verschärfen, Lebensgrundlagen bedrohen und zusätzlichen Druck auf Familien und Gemeinschaften erzeugen. Daher verbindet unsere Arbeit heute Friedensförderung, eine inklusive Regierungsführung und Klimaresilienz zu einem gemeinsamen Bestreben.
1 Von 1996 bis 2006 herrschte Bürgerkrieg zwischen der maoistischen Kommunistischen Partei und der Regierung mit etwa 13.000 Toten und über 1.300 spurlos Verschwundenen, noch 2013 kam es trotz signifikanter Fortschritte etwa beim Schutz sexueller Minderheiten zu Übergriffen auf – und Diskriminierungen von Aktivist:innen, Frauen, migrantischen Arbeiter:innen, Menschen mit Behinderung und Angehörigen ethnischer Minderheiten.

Wie ist die derzeitige wirtschaftliche, soziale und politische Lage in Ihren Gemeinden?
Die Situation in den Gemeinden, mit denen wir zusammenarbeiten, ist schwierig und vielschichtig. Viele Familien sind wirtschaftlich noch immer auf klein bäuerliche Landwirtschaft, Viehzucht, Gelegenheitsarbeit und Saisonarbeit angewiesen. Doch der Klimawandel macht diese Lebensgrundlagen deut lich unsicherer. In den Bergregionen berichteten die Menschen von versiegenden Quellen, Wasserknappheit und zunehmender Unwägbarkeiten in der Landwirtschaft, da die Niederschläge nicht mehr den vertrauten Mustern folgen. Die Gemeinden in den Tiefebenen berichten von steigendem Grundwasserspiegel, extremer Hitze, wiederkehrenden Überschwemmungen und abwechselnden Dürreperioden.
Die Landwirtschaft ist nach wie vor das Rückgrat des Lebens, aber sie ist nicht mehr stabil genug, um wie früher Nahrung und Einkommen zu sichern.
Dies hat unmittelbare soziale Folgen. Arme Haushalte sind gezwungen, immer mehr Geld auszugeben, um sich mit Wasser zu versorgen oder die Landwirtschaft am Laufen zu halten. Viele Familien leben unter zunehmendem Druck, Schulden und Unsicherheit. Immer mehr junge Menschen aus den Dörfern verlassen die Landwirtschaft (und das Land), weil sie dort keine Zukunft sehen. Die Abwanderung verändert die gesamte Struktur des Gemeinschaftslebens. Sie entzieht der Landwirtschaft Arbeitskräfte und hinterlässt den Zu rückbleibenden, insbesondere Frauen und älteren Familienmitgliedern, eine noch größere Last.
Auch das Bildungswesen ist betroffen. Mancherorts führt die extreme Hitze zu vorzeitigem Schulschluss, andernorts erschweren Stromausfälle das Lernen am Abend. Der Klimawandel prägt also den Alltag weit über die Landwirtschaft hinaus. Er beeinflusst Nahrung, Wasser, Gesundheit, Schulbildung, Mobilität und die Zukunft, die sich Menschen für ihre Kinder ausmalen.
Nepal verfügt auf der politischen Ebene über Klimamaßnahmen und ein gesetzliches Rahmenwerk für die Anpassung an den Wandel, doch vor Ort in den Gemeinden klafft nach wie vor eine große Lücke zwischen Anspruch und Realität. Die lokalen Behör den bemühen sich, und mancherorts reagieren sie bereits besser, aber die Umsetzung der Politik in die Praxis ist noch unzureichend. Frauen, Angehörige der Dalit und marginalisierter Gruppen sind in Planungs- und Entscheidungsprozessen oft noch immer unterrepräsentiert.
Daher besteht zwar Raum für Fortschritte, aber auch Frustration. Die Gemeinschaften wollen nicht nur bei Konsultationen, sondern auch bei der konkreten Entwicklung und Umsetzung von Lösungen gehört werden.

Welche Rolle spielen Frauen und Mädchen im Friedensprozess?
Frauen und Mädchen spielen eine zentrale Rolle, obwohl ihr Beitrag im offiziellen Sprachgebrauch oft nicht als Friedensarbeit anerkannt wird. In unserem Kontext geht es bei Frieden nicht nur um politische Vereinbarungen auf höchster Ebene. Frieden heißt auch, in Würde leben zu können, Spannungen fair zu bewältigen, die Existenz zu sichern und Gemeinschaften in Krisen zeiten zusammenzuhalten. In diesem Sinne leisten Frauen täglich Friedensarbeit.
Wenn Wasserführungen austrocknen, sind es meist Frauen und Mädchen, die weitere Wege zurücklegen müssen, um Wasser zu holen. Bei Ernteausfällen oder Nahrungsmittelknappheit sind es die Frauen, die die Haushaltsressourcen optimal nutzen, die Pflegearbeit leisten und versuchen, den Alltag aufrechtzuerhalten. Wenn Männer zur Arbeit ins Ausland abwandern, müssen Frauen gleichzeitig Haushalt, Kinder,
ältere Angehörige, Landwirtschaft und Finanzen managen. Tatsächlich sind viele Frauen de facto zu Familienoberhäuptern geworden. Sie tragen eine enorme Verantwortung, werden aber dennoch zu selten in vollem Maße als Führungspersönlichkeiten anerkannt.
Gleichzeitig tragen Frauen nicht nur Lasten. Sie organisieren sich, sie leiten an und drängen auf Lösungen. Wir haben erlebt, wie Frauen sich in Gemeindegesprächen öffnen, wenn ihnen dafür Raum gegeben wird. Sie sprechen nicht nur über ihre unmittelbaren Nöte, sondern auch über Wasserversorgung, Landwirtschaft, Lebensgrundlagen, Migration, die Sicherheitslage und die Zukunft ihrer Gemeinschaften. Frauengruppen, darunter die »Aama Samuha« (Müttergruppen), Spargruppen und frauengeführte Existenzsicherungsgruppen, sind die Orte, an denen kollektives Denken beginnt. Sie sind oft der erste Ort, an dem persönliche Not zu öffentlichem Handeln führt. Eine Frau spricht dort vielleicht zunächst über Wasser, Schulden, Ernteausfälle oder die Abwesenheit ihres Mannes, der ins Ausland gegangen, doch aus diesen Gesprächen entstehen Ideen, Solidarität und lokale Führung.
Das ist besonders wichtig für Dalit-Frau en, die gleichermaßen unter den Folgen des Klimawandels und Diskriminierung leiden. Einige der eindringlichsten Botschaften aus der Praxis kamen von Frauen, die die größten Lasten tragen und dennoch den größten Willen zeigen, ihr Leben zu verbessern und zu gemein samen Lösungen beizutragen. Deshalb sind wir überzeugt, dass jeder ernsthafte Friedensprozess Frauen nicht nur als symbolische Teilnehmerinnen, sondern als zentrale Akteurinnen einbeziehen muss. Ohne die Stimmen von Frauen, insbesondere ohne die Stimmen armer und marginalisierter Frauen, kann es weder Gerechtigkeit noch dauerhaften Frieden geben.
Nepals Verfassung von 2015 und die lokalen Wahlgesetze schreiben die an gemessene Repräsentation von Frauen vor. So muss mindestens eine Frau in den Gemeinderäten vertreten sein und eine Frau als Kandidatin für das Amt des Bürgermeisters oder stellvertre tenden Bürgermeisters kandidieren. Das Kommunalverwaltungsgesetz von 2017 überträgt den stellvertretenden Vorsitzenden und stellvertretenden Bürgermeister:innen die Verantwortung für die Justizausschüsse, an die sich Bürgerinnen und Bürger zunächst wenden, um zu ihrem Recht zu kommen. Daher haben Frauen Initiativen für Gerechtigkeit angeführt, unter anderem zur Forderung nach Entschädigung für Überlebende sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt.
Wird Ihre Arbeit in Ihren Gemein den unterstützt, oder gibt es auch Skepsis oder Widerstand?
Ja, unsere Arbeit wird in vielen Gemein den unterstützt, weil die Menschen wissen, dass die Krise real ist. Sie müssen nicht erst davon überzeugt werden, dass der Zugang zu Wasser immer schwieriger, die Landwirtschaft immer unsicherer wird und der Klimawandel ihren Alltag verändert. Wenn wir Konsultationen, Dialoge oder lokale Diskussionen organisieren, reagieren viele Menschen positiv, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Lebensrealität endlich ernst genommen wird.
Frauengruppen, Jugendgruppen, Landwirt:innen, lokale zivilgesellschaftliche Akteure und einige Vertreter:innen der Kommunalverwaltung haben alle Bereitschaft gezeigt, sich zu engagieren und nach Wegen zu suchen, sich an den Wandel anzupassen.
Insbesondere junge Menschen spielen eine wichtige Rolle. Jugendklimaschutzgruppen haben Aufklärungsarbeit, Schulprojekte, Aktionen in der Gemeinde und öffentliche Diskussionen unterstützt. Das ist wichtig, weil es ein Gefühl der Eigenverantwortung vor Ort schafft. Es trägt dazu bei, eine stärkere Kultur der Verantwortlichkeit und Beteiligung innerhalb der Gemeinde zu entwickeln, anstatt den Wandel als et was zu betrachten, das nur von außen kommt.
Gleichzeitig gibt es auch Skepsis, und das ist verständlich. Viele Gemeinden haben erlebt, wie Projekte kamen und gingen. Manche wurden bereits konsultiert, ohne dass sich im Anschluss etwas Wesentliches verändert hat. Einige lokale Akteure sind vorsichtig, weil den Versprechungen nie wirkliche Unterstützung folgte. Es gibt auch einen gewissen Widerstand, der sich nicht in offener Opposition äußert, sondern in Schweigen, Ausgrenzung oder der Weigerung, Macht zu teilen. Frauen machten uns deutlich, dass Entscheidungen oft immer noch für sie, aber nicht mit ihnen getroffen werden. Mancherorts werden marginalisierte Gruppen zwar zu Treffen eingeladen, aber nicht wirklich in die endgültigen Entscheidungen einbezogen.
Es gibt auch Auseinandersetzungen darüber, welche Lösungen Priorität haben. Im Bereich der Wasserwirtschaft beispielsweise fragten viele Gemeinden, warum immer wieder der Bau von Tiefbrunnen propagiert wird, wo sie doch selbst Teiche, Versickerungsanlagen und die Renaturierung einstiger Gewässer fordern. Das zeigt uns, dass es nicht einfach um Unterstützung versus Ablehnung geht. Die tieferliegende Frage ist, ob Institutionen bereit sind, den Gemeinden ernsthaft zuzuhören, insbesondere jenen, die in der Vergangenheit benachteiligt wurden.

Welche Erfolge und Herausforderungen sehen Sie?
Wir sehen wichtige Erfolge, selbst in einem schwierigen Umfeld. Ein Erfolg ist, dass die Gemeinschaften nicht passiv bleiben. Sie reagieren bereits praktisch mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen und Kenntnissen auf den Klimawandel. Mancherorts wurden Teiche renaturiert, Regenwasserspeicher und Grundwasseranreicherungsanlagen gefördert. Andernorts experimentieren die Menschen mit dürreresistenten Nutzpflanzen, diversifizieren ihre Lebensgrundlagen und nutzen lokales Wissen, das lange Zeit unterschätzt wurde. Jugendgruppen nutzten Schulprogramme, Umweltclubs, öffentliche Veranstaltungen und Sensibilisierungsmaßnahmen, um den Antworten auf den Klimawandel in den Alltag zu integrieren.
Ein weiterer Erfolg ist, dass einige Kommunen beginnen, Klima und Katastrophenschutzfragen ernster zu nehmen. Wir beobachten Entwicklungen hin zu inklusiveren lokalen Klima- und Katastrophenschutzstrategien, die auch Belange der sozialen, kulturellen und sozialen Teilhabe (GESI) (2) berücksichtigen. Das ist bedeutsam, da es einen Wandel im Verständnis zeigt: Das Klima wird nicht länger nur als technische Angelegenheit betrachtet. Es wird zunehmend als Frage der Gerechtigkeit, der Teilhabe und der Regierungsführung verstanden. Das ist wichtig für Frauen, Dalits, indigene Gemeinschaften und andere marginalisierte Gruppen, deren Stimmen oft ungehört blieben.
Wir sehen auch Erfolge in der Beteiligung von Frauen selbst. In unserer Arbeit wurde deutlich, dass Frauen bereit sind, sich an Gemeindeberatungen und lokalen Entscheidungsprozessen zu beteiligen, wenn diese ihnen wirklich offenstehen. Das Problem ist meist nicht die Bereitschaft, sondern, ob Institutionen einen sicheren, respektvollen und sinnvollen Raum für ihre Beteiligung schaffen. Ist dies der Fall, bringen Frauen äußerst praktische und fundierte Ideen ein. Sie sprechen unverblümt über Wasser, Nahrung, Sicherheit, Schulen, Existenzsicherung und das Wohlergehen der Gemeinschaft. Das ist eine große Stärke.
Doch die Herausforderungen sind nach wie vor gewaltig. Die Wasserknappheit wächst, in manchen Gemeinden ist der Grundwasserspiegel so stark gesunken, dass arme Familien große Not haben, nur an Trinkwasser zu gelangen. Andernorts versiegen Quellen, und lange Wege zum Wasserholen sind der Normalfall geworden. Die Landwirtschaft wird durch verspätete Monsunregen, Hagelstürme, Überschwemmungen, Dürre und das Eindringen neuer Schädlinge immer anfälliger. Familien verlieren Ernten und das Vertrauen in ihre Fähigkeit, für die Zukunft zu planen. Der Klimawandel verstärkt auch andere Stressfaktoren, darunter Konflikte zwischen den Menschen und Wildtieren, die Saaten schädigen und Angst hervorrufen.
Die sozialen Herausforderungen sind ebenso gravierend. Dalit-Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind weiterhin vom Zugang zu Wasser, Märkten und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Die Abwanderung von Männern erhöht die Arbeitsbelastung von Frauen, führt aber nicht immer zu deren Anerkennung. Junge Menschen verlassen ihre Dörfer, weil sie in der Landwirtschaft keine Zukunft sehen. Obwohl es also durchaus Beispiele für Resilienz und Fortschritt gibt, wächst das Problem immer noch schneller als die Gegenmaßnahmen. Das bleibt unsere größte Sorge.
2 Gender Equality and Social Inclusion (Geschlechtergleichheit und soziale Inklusion); ein für die Entwicklungszusammenarbeit genutztes Konzept für eine nachhaltige Projektarbeit
Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?
Wir hoffen, in den nächsten fünf Jahren stärkere, selbstbewusstere Gemeinschaften zu sehen, die ihre Zukunft selbst gestalten können. Wir wünschen uns lokale Klimaschutzmaßnahmen, die nicht von außen aufgezwungen, sondern gemeinsam mit den Gemeinschaften entwickelt werden und auf deren Wissen, Prioritäten und Lebensrealität basieren. Wir wünschen uns nachhaltigere Wassersysteme, mehr Unterstützung für eine klimaresistente Landwirtschaft und stärkere lokale Institutionen, die auf ökologische und soziale Herausforderungen reagieren können.
Wir wünschen uns insbesondere, dass Frauen als Führungskräfte stärker anerkannt werden. Wir wollen Frauengruppen, Müttergruppen, Frauenkooperativen und von Frauen geführte Unternehmen stärker unterstützen, denn sie sind bereits wichtige Orte der Resilienz und gemeinschaftlichen Handelns. Wir wollen, dass Dalit-Frauen und andere marginalisierte Gruppen echten Zugang zu Beratung, Ressourcen, Märkten und Entscheidungsprozessen erhalten. Wir hoffen außerdem, dass die ersten Fortschritte in der Politik vor Ort sich verfestigen und eine inklusive Klima- und Katastrophenbewältigungspolitik entsteht, die die Gleichstellungs-und Inklusionsverpflichtungen nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis widerspiegelt.
Als Organisation sehen wir uns weiterhin in der Erfüllung unserer Gründungsmission: die Brücke zwischen der Realität an der Basis und der politischen Interessenvertretung zu schlagen. Doch heute muss diese Brücke die Klimaresilienz noch stärker als zuvor einbeziehen. Wir wollen die lokalen Kapazitäten weiter stärken, eine faktenbasierte Politik fördern und Gemeinschaften dabei unterstützen, ihren eigenen Wandel zu gestalten. Unsere Vision ist ein Nepal, in dem Friedensförderung, soziale Gerechtigkeit und Klimaresilienz nicht als separate Agenden behandelt werden. Sie gehören zusammen, denn sie alle stellen dieselbe grundlegende Frage: Wer hat das Recht, in Würde und Sicherheit zu leben und die Zukunft aktiv mitzugestalten?
Möchten Sie unseren Leser:innen noch etwas mitgeben?
Ja. Wir möchten, dass die Leser:innen verstehen, dass der Klimawandel in den Gemeinschaften, mit denen wir arbeiten, kein abstraktes Thema, keine ferne Umweltdebatte ist. Er ist bereits allgegenwärtig: im täglichen Gang nach Wasser, in den Ernteausfällen nach monatelanger Arbeit, für das Kind, das wegen Hitze oder Stromausfällen keinen Schulunterricht erhält, für die Frau, die den Haushalt allein führt, und für die Familie, die ihre Kinder wegschicken muss, weil Landwirtschaft aussichtslos erscheint. Der Klimawandel dringt in Leben ein, die ohnehin von Armut, Ausgrenzung und Ungleichheit geprägt sind, und deshalb sind seine Auswirkungen so ungleich verteilt.
Wir möchten zudem verdeutlichen, dass Frauen nicht bloße Leidtragende dieser Krise sind. Sie bringen auch ihre Gemeinschaften durch sie hindurch, sind Arbeiterinnen, Betreuerinnen, Organisatorinnen, Unternehmerinnen und Problemlöserinnen. Viele von ihnen sind fest entschlossen, ihre Lebensgrundlagen zu verbessern und sich an öffentlichen Diskussionen über die Bedürfnisse ihrer Gemeinschaften zu beteiligen. Was sie aber brauchen, ist keine symbolische Anerkennung. Sie brauchen einen echten Zugang, echten Respekt und echte Partnerschaft.
Und schließlich möchten wir den Leser:innen vermitteln, dass Friedensförderung und Klimagerechtigkeit eng miteinander verbunden sind. Wenn Wasser knapp wird, Existenzgrundlagen kollabieren und die Ausgrenzung zunimmt, steigt auch der Druck auf die Gemeinschaften. Wenn die Menschen aber gehört werden, wenn Frauen sich beteiligen, lokales Wissen respektiert wird und politisches Handeln die Realität widerspiegelt, entsteht Resilienz. Wir haben gelernt, dass Gemeinschaften nicht nur als Empfängerinnen von Hilfe von außen behandelt werden wollen. Sie wollen als Partnerinnen einbezogen werden, denn sie verfügen bereits über Wissen, Erinnerungen und praktische Ideen, wie man überleben und sich anpassen kann. Die Respektierung dieses lokalen Wissens ist einer der wichtigsten Aspekte sowohl der Friedensförderung als auch des Klimaschutzes. Für eine solche Zukunft arbeiten wir: ein Nepal, das friedlicher, gerechter und klimaresilienter zugleich ist.
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