Erinnern für den Frieden — Aufklärung über den Porajmos und Antiziganismus

In Serbien unterstützen das Forum Roma Srbije und SODI Rom:nja- und Nicht-Rom:nja Gemeinschaften dabei, die Erinnerung an den Porajmos wachzuhalten.
Der Porajmos bezeichnet den nationalsozialistischen Völkermord an Rom:nja und Sinti:zze. Gemeinsam setzen sich die Jugendlichen für Frieden und Konfliktprävention ein, sensibilisieren für Diskriminierung gegenüber Roma und stärken die demokratische Teilhabe. © ZIVIC
Ausgangssituation
In Serbien sind Rom:nja-Gemeinschaften bis heute von Ausgrenzung und politischer Instrumentalisierung betroffen. Viele Menschen leben unter prekären Bedingungen in informellen Siedlungen ohne verlässliche Grundversorgung. Diskriminierung prägt den Alltag, beim Zugang zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe, und führt häufig zu Armut und geringeren Bildungschancen. Gleichzeitig kämpfen Rom:nja weiterhin um die Anerkennung des historischen Unrechts des Porajmos und um gleichberechtigte Teilhabe. Eine Aufarbeitung des Völkermords hat bis heute nicht stattgefunden, sodass selbst innerhalb der Community das Wissen darum schwindet.
„Geschichte ist mehr als Vergangenheit. Sie zeigt, wie Vorurteile, Ausgrenzung und Diskriminierung entstehen und warum sie bis heute wirken.“ - Dejan Marković (FRS)
Zunehmender Nationalismus, Geschichtsrevisionismus und ein schrumpfender zivilgesellschaftlicher Raum erschweren eine offene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und behindern aktive Erinnerungsarbeit.
Auch über Serbien hinaus bleibt Antiziganismus eine Realität: So sind etwa in Deutschland, u. a. laut Studien wie der Leipziger Autoritarismus-Studie, antiziganistische Einstellungen weiterhin verbreitet, und die Zahl entsprechender Straftaten ist zuletzt gestiegen. Vor diesem Hintergrund gewinnen transnationale Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Wissenschaft sowie der Austausch über Ansätze in der Erinnerungs- und Antidiskriminierungsarbeit besondere Bedeutung.
Hier setzt das Projekt an:
Es bringt Rom:nja- und Nicht-Rom:nja-Jugendliche, Akteure aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Forschung sowie lokale Gemeinschaften zusammen und schafft Räume für Austausch, Bildung und Engagement.
„Erinnerung schafft Dialog, Verständnis und gibt übersehenen Erfahrungen Raum. Wenn Gemeinschaften vergangene Ungerechtigkeiten anerkennen und verschiedene Perspektiven hören, wächst Vertrauen. Das Gedenken an den Porajmos ehrt nicht nur die Opfer, sondern stärkt auch Menschenwürde, demokratische Werte und sozialen Zusammenhalt. So wird Erinnerung zu einem Werkzeug für Frieden, Konfliktprävention und den Aufbau einer Gesellschaft, in der sich alle respektiert und einbezogen fühlen.“ - Dejan Marković (FRS)
Das Projekt stärkt Erinnerung und Bildung als zentrale Elemente einer inklusiven demokratischen Kultur und dem Schutz von Minderheitenrechten. Es befähigt junge Menschen und lokale Akteur*innen sich in gesellschaftlichen Prozessen einzubringen. So trägt es dazu bei, Vorurteile abzubauen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und langfristig Frieden und Konfliktprävention zu fördern.


Maßnahmen
Vom Wissen zur Wirkung: Jugendliche gestalten Veränderung
Lernen, gestalten, sichtbar werden
In Kragujevac, Požarevac, Niš sowie in Belgrad und Novi Sad nehmen insgesamt 60 Rom:nja- und Nicht-Rom:nja-Jugendliche an acht eintägigen Bildungsworkshops teil. Im Mittelpunkt stehen der Porajmos, Antiziganismus sowie gewaltfreier Widerstand und bürgerschaftliches Engagement. Die Workshops vermitteln Wissen über historisches Unrecht und zeigen, wie sich dessen Folgen bis heute auswirken.
Die Jugendlichen setzen sich mit Erfahrungsberichten und verschiedenen Perspektiven auseinander und entwickeln ein Verständnis für Diskriminierung und ihre Auswirkungen. Begleitet von Mentor:innen entwickeln die Teilnehmenden eigene Initiativen und Projekte, wie Videos, forschungsbasierte Beiträge oder künstlerische Arbeiten. Die Ergebnisse werden anschließend in Podiumsdiskussionen und Ausstellungen veröffentlicht.
Gedenkstättenbesuche
Rund 60 Rom:nja- und Nicht-Rom:nja-Jugendliche sowie lokale Akteur:innen, Pädagog:innen und Vertreter:innen der Rom:nja-Gemeinschaft nehmen an vier Besuchen von Gedenkstätten teil. Eine der Stationen ist die Gedenkstätte und das Museum „21. Oktober“ in Kragujevac – ein zentraler Erinnerungsort an die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und sprechen dort mit Überlebenden und deren Nachkommen sowie mit Forscher:innen.
Studienreise nach Deutschland
Zehn Teilnehmende nehmen an einer dreitägigen Studienreise nach Berlin teil. Sie besuchen Gedenkstätten und Dokumentationszentren und kommen mit Institutionen und Initiativen ins Gespräch. So lernen die Teilnehmende andere Ansätze der Vergangenheitsaufarbeitung kennen und sammeln Ideen für eigene Gedenkinitiativen.
Gleichzeitig vernetzt die Reise Akteur:innen aus beiden Ländern für zukünftige Kooperationen.
Vernetzen, abstimmen, gemeinsam weiterarbeiten
Das Projekt schafft eine Netzwerkplattform, die Akteur:innen aus Bildung, Zivilgesellschaft und Rom:nja-Community zusammenbringt. In Kragujevac, Požarevac, Niš sowie in Belgrad und Novi Sad finden regelmäßig Treffen statt.
Geplant sind acht Plattformtreffen sowie ein Auftakt- und ein Abschlusstreffen in Belgrad mit Vertreter:innen lokaler Institutionen, Pädagog:innen, Wissenschaftler:innen, Rom:nja-Selbstorganisationen und engagierte Jugendlichen.
Die Treffen dienen dem Austausch, der Abstimmung und der Entwicklung gemeinsamer Initiativen.
Partnerorganisation
Das Forum Roma Srbije (FRS) ist eine Rom:nja-Selbstorganisation, die sich für die Rechte, Sichtbarkeit und gleichberechtigte Teilhabe von Rom:nja in Serbien einsetzt. Gemeinsam mit SODI verbessert FRS konkrete Lebensbedingungen durch Bildungsangebote und soziale Unterstützung.

Ulrike Pusch
Programm-Managerin Ost- und Südosteuropa, Zentralasien und Nicaragua
Ulrike.Pusch@sodi.de
Dieses Projekt wird gefördert durch private Spenden und:






