Frieden stärken, Perspektiven schaffen

In Süd-Kivu stärken SODI und UGEAFI Frieden, Ernährungssicherheit und wirtschaftliche Perspektiven. Friedenskomitees fördern Verständigung und Konflikttransformation, Landwirtschaft und Kleingewerbe schaffen Einkommen. Zudem trägt das Projekt zur Ebola-Prävention bei.
Ausgangssituation
Der Osten der DR Kongo ist reich an Rohstoffen, doch der Alltag von Millionen von Menschen ist von Hunger und Armut geprägt. Trotz des im Dezember 2025 unterschriebenen Friedensabkommens zwischen Ruanda und der DR Kongo kommt es im Osten des Landes weiterhin zu schweren Kämpfen. Bombardements zerstören Krankenhäuser, Schulen, Märkte und Dörfer. Immer wieder eskalieren Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen, die bis in die Kolonialzeit zurück reichen. Straßenblockaden von Milizen und Militärs schneiden Gebiete faktisch von der Außenwelt ab. Die Gewalt zwingt Millionen zur Flucht und zerstört ihre Lebensgrundlagen.
Im aktuellen Projekt mit unserer lokalen Partnerorganisation UGEAFI stärken wir im Hochland von Minembwe und in der Region Fizi am Tanganyika-See Menschen, die sich in Friedenskomitees für Verständigung und gewaltfreie Konfliktlösung einsetzen. Außerdem unterstützt das Projekt Geflüchtete, Binnenvertriebene und ansässige Bevölkerung dabei, ihre Ernährung zu sichern, Einkommen zu verbessern und sich vor Ebola zu schützen. Insgesamt beteiligen sich 20.840 Personen direkt am Projekt.
„Die Umstände sind schwierig, aber wir machen weiter. Es geht nach wie vor darum, mit den Gemeinden an ihrer Resilienz zu arbeiten, an ihrer Widerstandsfähigkeit gegen die vielen Krisen. Dafür ist besonders wichtig, dass die Gemeinden uns als Akteur vertrauen. Das ist der Fall. Deswegen können wir sowohl in Regionen arbeiten, die unter Kontrolle der kongolesischen Regierung stehen, als auch in Regionen, die von der M23 beherrscht werden.“, erklärt der Direktor von UGEAFI, Naum Butoto, dessen Team an über 20 Jahren erfolgreiche Arbeit der zivilgesellschaftlichen Organisation anknüpft.
Zu den Hintergründen des Konflikts und der aktuellen Lage im DR Kongo hat das nd Naum Butoto interviewt. Lesen Sie hier den Artikel vom 29.08.26 in voller Länge: www.nd-aktuell.de/artikel/1202144.krieg-und-ebola-im-ostkongo-kongo-fuer-frieden-braucht-es-alle-gruppen-an-einem-tisch.html
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Maßnahmen
Friedenskommitees und Dialog
UGEAFI stärkt Menschen vor Ort, die sich für Frieden und den Abbau von Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen einsetzen.
800 angesehene Persönlichkeiten mit enger Verankerung in ihren Dorfstrukturen werden zu Mitgliedern von Friedenskomitees ausgebildet. Die Auswahl erfolgt durch eine demokratische Wahl in den Gemeinden. Besonders zur Kandidatur ermutigt werden Frauen und Jugendlichen. In Schulungen erwerben sie Kompetenzen, um Konflikte unter ihren Nachbar:innen konstruktiv und in Einverständnis mit den Konfliktparteien zu lösen. Als erste Anlaufstelle können sie verhindern, dass Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse eskalieren. Die Friedenskomitees kooperieren mit den Lokalverwaltungen und werden staatlich anerkannt.
Dialog- und Begegnungsformate fördern zudem die Verständigung zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Über 6.500 Teilnehmende nehmen an 13 Veranstaltungen teil. Mitarbeitende von UGEAFI und Friedenskomitees bereiten die Treffen vor und schaffen einen sicheren, offenen Raum für respektvollen Dialog. Gemeinsam reflektieren die Teilnehmenden Vorurteile und die lokale Konfliktgeschichte. Außerdem planen sie Aktivitäten für mehr Frieden und Zusammenhalt, wie die gemeinschaftliche Instandhaltung von Landstraßen, Reparatur von Holzbrücken und die Organisation von Freundschaftsspielen gemischter Fußballmannschaften. Abschließend formulieren sie kollektive Vereinbarungen zum friedlichen Zusammenleben, die von den Teilnehmenden unterzeichnet werden. Die Vereinbarungen symbolisieren eine neue Kultur der kollektiven Verantwortung zur Konfliktprävention und zum Aufbau nachhaltiger Friedensstrukturen.
Darüber hinaus fördert das Projekt eine konfliktsensible Berichterstattung durch lokale, gemeindebasierte Radiosender. Dafür werden Journalist:innen geschult, Des- und Falschinformationen zu erkennen, einzuordnen und verantwortungsvoll zu berichten. Ergänzend werden kurze Videos und eine Website durch das Projekt finanziert.
„Für Frieden braucht es alle Gruppen an einem Tisch.“
Naum Butoto, Direktor von UGEAFI.
Produktionsgruppen stärken die Ernährungssicherheit
Rund jede:r Vierte in der DR Kongo leidet unter akutem Hunger. Die anhaltenden Kampfhandlungen im Osten des Landes verschärfen die Ernährungssituation. Umso wichtiger ist auch unter diesen schwierigen Bedingungen eine lokale Versorgung durch kleinbäuerliche Familien, um die Dorfgemeinschaften vor Hunger zu schützen. UGEAFI und SODI unterstützen 1.960 Bäuerinnen und Bauern dabei, ihre landwirtschaftliche Produktion auszubauen. Mitarbeitende von UGEAFI vermitteln landwirtschaftliche Techniken und begleiten die Landwirt:innen dabei, sich in Produzent:innengrupppen zusammenschließen. Diese Gruppen erhalten Felder zur gemeinschaftlichen Nutzung. Außerdem finanziert das Projekt eine Anschubfinanzierung für Saatgut sowie den Bau und die Ausstattung von 39 Depots für Ernte und Betriebsmittel. Weitere Schulungen vermitteln Wissen über partizipative landwirtschaftliche Planung, die Anpassung an den Klimawandel, den Zugang zu Betriebsmitteln und Märkten, sowie Spar- und Finanzierungsmodelle. Durch die Abgabe eines kleinen Teils ihrer Einnahmen aus den Ernten finanzieren die selbstverwalteten Bauerngruppen gemeinschaftliche Anschaffungen und versorgen weitere 15.000 Haushalte mit Saatgut. So wirkt das Projekt über die direkten Projektteilnehmenden hinaus.
Wirtschaftliche Perspektiven entschärfen Verteilungskonflikte
Das Projekt unterstützt rund 970 Menschen dabei, ein Kleingewerbe aufzubauen. Das verbessert das Einkommen der Haushalte und entschärft Spannungen rund um wirtschaftliche Not und Perspektivlosigkeit. Mit der Hilfe von UGEAFI organisieren sie sich in Spar- und Kreditgemeinschaften und erhalten eine Anschubfinanzierung für ihre Selbstständigkeit bzw. Kleingewerbe. Dazu gehören etwa die Ausrüstung für kleine Laden mit alltäglichen Gegenständen, Nutztiere für die Zucht, Nähmaschinen oder Rohstoffe und Materialien für Seifenherstellung.
Die Mitglieder sparen einen Teil ihrer Gewinne gemeinsam und vergeben daraus untereinander Kleinkredite. So können sie Investitionen finanzieren, ohne auf reguläre Bankkredite angewiesen zu sein, die sehr teuer sind und für die sich die meisten Projektteilnehmenden sowieso nicht qualifizieren würden. Zudem bleiben die Gewinne so in der Gemeinschaft. Klare Regeln und eine intensive Betreuung durch die Mitarbeitenden von UGEAFI sorgen dafür, dass die Gruppen transparent und verlässlich arbeiten.
Jugendliche schaffen Perspektiven durch Wiederaufforstung
Für Jugendliche gibt es nur wenige Beschäftigungsmöglichkeiten. In der Perspektivlosigkeit sind sie anfällig für die Anwerbung durch Milizen. Das Projekt ermöglicht 610 Jugendlichen mit der Aufzucht von Baumsetzlingen wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen. Die Wiederaufforstung leistet gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Regeneration degradierter Landschaften und eröffnet angesichts des wachsenden Holzbedarfs eine solide Einkommensmöglichkeit. Zu Beginn erhalten die Jugendlichen insgesamt 26 kg Saatgut, aus dem rund 15.000 Baumsetzlinge gezogen werden.
Ein Teil der Setzlinge wird kostenlos an die Gemeinden abgegeben und dort zur Wiederaufforstung genutzt. Die übrigen Setzlinge verkaufen die Jugendlichen und erzielen damit eigene Einnahmen. So verbindet das Projekt Umweltschutz, Einkommensschaffung und Friedensförderung.
Ebola-Prävention
Seit Ausbruch des Ebola Virus Mitte Mai 2026 in der DR Kongo registrierte die WHO über 7.200 Infektionen und mehr als 3.600 Todesfälle (Stand 09/2026). Damit ist er der schwerste Ausbruch in der Geschichte des Landes.
Der Ausbruch stellt das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen: Unsicherheit und Fluchtbewegungen erschweren den Zugang zu betroffenen Gebieten, während vielerorts der Zugang zu Gesundheitsversorgung sowie Wasser-, Sanitär- und Hygieneeinrichtungen begrenzt ist. Für den aktuell zirkulierenden Bundibugyo-Virus gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff. Prävention und frühe Erkennung sind deshalb besonders wichtig.
So stärken UGEAFI und SODI die Gesundheitsvorsorge:
- Eine dreimonatige Sensibilisierungskampagne informiert die Bevölkerung über Übertragungswege, Symptome und Schutzmaßnahmen durch Hygiene.
- Gesundheits- und Gemeindepersonal wird darin geschult Ebola-Symptome frühzeitig zu erkennen, Verdachtsfälle zu melden und Betroffene an geeignete Gesundheitseinrichtungen zu überweisen.
- Gesundheitshelfer:innen besuchen 1.800 Haushalte, beantworten Fragen und klären über Falschinformationen auf.
- In 20 ausgewählten öffentlichen Einrichtungen und stark frequentierten Orten in Minembwe und Baraka, darunter Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Märkte, werden Handwaschstationen eingerichtet sowie Seife, Desinfektions- und Reinigungsmittel bereitgestellt.
- Priorisierte Gesundheitseinrichtungen erhalten Infrarot-Thermometer zur berührungslosen Messung der Körpertemperatur.
- Lokal verankerte Radiosender werden darin unterstützt, verständlich und verantwortungsvoll über Ebola zu informieren und damit zur Gesundheitsaufklärung beizutragen.
Gemeinsam für Frieden, Ernährungssicherheit und wirtschaftliche Perspektiven.
Unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Arbeit unserer Partnerorganisation UGEAFI im Süd-Kivu.
Vielen Dank!
Mit Auberginensamen keimt die Hoffnung
Esperance Bukuru hat im Geflüchtetencamp Lusenda Zuflucht gefunden. Viele Familien leben hier seit Jahrzehnten. Das Projekt unterstützt Esperance dabei, auf ehemaligen Brachflächen Auberginen anzubauen. „Der Gemüseanbau ermöglicht es uns, ein eigenes Einkommen für unseren Lebensunterhalt zu erwirtschaften“, sagt Esperance. Mit der Ernte zahlt sie das Schulgeld ihrer Kinder und sorgt dafür, dass ausreichend Essen auf dem Tisch steht. Sie ist erleichtert, dass sie sich damit auch die in Zeiten des Ebola-Ausbruchs wichtige Seife leisten kann.

Dieses Projekt wird gefördert durch private Spenden und:







