Gemeindebasierte Fischerei verbessert Lebensräume

Übernutzung der Fischressourcen, mangelndes Regelwerk und extreme Klimaereignisse schwächen die naturreiche Flusslandschaft im Nordosten Namibias. Um Ökosysteme zu schützen und Lebensgrundlagen zu sichern, bauen die lokalen Flussgemeinschaften im Projekt ein Netzwerk von Fischereischutzgebieten auf. Informations- und Bildungsaktivitäten verankern dabei den Nachhaltigkeitsgedanken über Generationen hinweg.
Ausgangssituation
Die Region um die Flüsse Okavango, Kwando und Sambesi in Namibia ist durch eine üppige Flora und Fauna geprägt. Sie stellt für ihre Bewohner:innen eine wichtige Quelle für Nahrung, Wasser, Einkommen und kulturelle Identität dar. Fisch ist nicht nur eine zuverlässige Eiweißquelle, sondern verbessert durch Fang, Verarbeitung und Handel auch ihren Lebensunterhalt.
Die zunehmende Kommerzialisierung des Fischfangs hat jedoch in den letzten Jahren einen spürbaren Rückgang der Fischbestände verursacht. Vor allem die illegale Nutzung von kleinmaschigen Netzen verschärft die Situation. Klimabedingte Dürren und Flut setzen die Fischbestände zusätzlich unter Druck.
Darüber hinaus tragen uneinheitliche Vorschriften für Schutzgebiete und lückenhafte Aufsichtspraktiken zur negativen Entwicklung in der Region bei. Erfolgreiche Konzepte zur Übertragung der Verantwortung für den Schutz natürlicher Ressourcen auf lokale Gemeinschaften verfehlen in der Praxis häufig ihre Wirkung. Insbesondere Frauen, die maßgeblich an Fischverarbeitung und Vermarktung beteiligt sind, sowie Jugendliche werden unzureichend in Entscheidungsprozesse eingebunden.

Maßnahmen
Gemeindebasierte Fischereischutzgebiete schaffen Teilhabe und Transparenz
Anknüpfend an bestehende kommunale Schutzgebiete (Conservancies) werden im Projekt 15 Fischereischutzgebiete etabliert und vernetzt. Die Flussgemeinden übernehmen in diesem Prozess eine Schlüsselrolle– von der Identifizierung von geeigneten Flussabschnitten über die Erhebung von ökologischen Daten und Erarbeitung von Bewirtschaftungsplänen bis zur Umsetzung von regulären Patrouillen sowie der rechtlichen Anerkennung der Fischereischutzgebiete.
Transparent gewählte Fischereikomitees sorgen in jeder Flussgemeinschaft dafür, dass alle Maßnahmen bedarfsgerecht und entsprechend der gemeinsam verabschiedeten Regeln umgesetzt werden. Mindestens 40 Prozent der Mitglieder sind Frauen, wobei junge Menschen zu 30 Prozent vertreten sind. Finanzfragen, die Lösung von Konflikten und Aufnahme von Beschwerden der lokalen Gemeinden gehören zu ihren zentralen Aufgaben.
Neben dem aktiven Austausch mit einheimischen Autoritäten sowie lokalen und nationalen Behörden setzt das Projekt auf eine überregionale Koordination mit Partnern in Angola, Sambia und Botswana, um Schonzeiten in Einklang zu bringen, Daten auszutauschen und gemeinsame Patrouillen zu organisieren.
Praxisnahe Bildungsangebote verbinden Schutz der Natur mit kultureller Vielfalt
„Jugendliche sind in den Projektgebieten zentrale Akteure von heute und Entscheidungsträger:innen von morgen,”
… lautet das Motto der SODI-Partnerorganisationen Namibia Nature Foundation (NNF) und EduVentures.
Lernenden im jungen Alter werden im Projekt neue Wissenshorizonte und Handlungsperspektiven eröffnet. Schwerpunkt sind einerseits vier strukturierte Unterrichtseinheiten zu den Themen „Süßwasserfisch-Ökologie”, „nachhaltige Fangpraktiken”, „Schutz von Biodiversität” und „Ernährung”, die an drei Schulen eingeführt werden. Menschen aus den Gemeinden bringen dabei indigenes Wissen in die Gestaltung der Lernmaterialien ein.
Der Bau eines Schulungsboots (Floating Classroom) ermöglicht Schüler:innen und Lehrkräften zudem, Wasserproben aus der Umgebung zu nehmen und mithilfe eines Elektronenmikroskops auszuwerten. Das Lehrpersonal wird zu diesen Bildungsmaßnahmen entsprechend ausgebildet.
Um die einheimische Bevölkerung umfassend zu engagieren, bildet das Projekt auch 30 motivierte junge Menschen zu Fischereibotschafter:innen aus. Jugendliche aus fischereiabhängigen Haushalten werden besonders berücksichtigt. Sie lernen in Schulungen alle wichtigen Dinge zu Süßwasserökologie, Sicherheit am Wasser und Datenerhebung, um ihre Kenntnisse anschließend in Schulaktivitäten, Fischereikomitees und Dorfversammlungen weiterzugeben.
Unterstützen Sie Flussgemeinschaften in Namibia, ihr Recht auf zukunftssichere Lebensbedingungen zu verwirklichen. Vielen Dank!


