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12.04.2017

Drei Stadtteilzentren in Serbien eröffnet

Am 1. April eröffneten drei Stadtteilzentren für Roma in Serbien. Experten bieten nun Unterstützung zu Bildungsfragen, Rechtsberatung und Hilfe bei der Existenzgründung.

Stadtteilzentrum für Roma in Serbien © SODI e.V.

Das Stadtteilzentrum bietet Beratung und Kinderbetreuung an.

Am 1. April ist es soweit, die Berater*innen in den drei Stadtteilzentren in Serbien haben ihre Arbeit aufgenommen.  „Wir wollen die Vorurteile in der Gesellschaft abbauen und Zukunftsperspektiven für die Roma schaffen“, sagt Dejan Marković, Projektleiter des Roma Forum Serbien, Partnerorganisation von SODI. Hierzu hat die lokale Partnerorganisation viele Gespräche mit örtlichen Institutionen und der Verwaltung geführt. Die Gemeindezentren liegen jeweils nahe des Stadtkerns der Städte Kragujevac, Požarevac und Novi Sad und sind fußläufig erreichbar für die Roma, von denen 65 Prozent außerhalb in informellen Siedlungen mit deutlich schlechterem Lebensstandard als die Mehrheitsgesellschaft leben.

Die Experten und Betreuer*innen – alle selbst Roma – konnten Anfang des Jahres nach intensiver Vorbereitung eingestellt werden. Bisher gab es in den Gemeinden fast ausschließlich  Kinderbetreuung. Mit der Einstellung eines Sozialarbeiters, eines Psychologen und einer Rechtsberaterin in jedem Stadtteilzentrum, wurde das Angebot wesentlich erweitert. Durch die lokalen Projektkoordinatoren verbreitete sich die Neuigkeit schnell in den Roma-Siedlungen. Bereits in den ersten zwei Wochen haben sich über zehn interessierte Roma für eine Beratung angemeldet. Die meisten von ihnen benötigen im ersten Schritt Unterstützung bei der Beschaffung von Urkunden und Personaldokumenten. Denn der Besitz gültiger Dokumente ist für sie die zentrale Voraussetzung für den Zugang zu existenziellen Leistungen wie Gesundheitsvorsorge oder Bildung. Die Situation der Betroffenen ist oftmals entwürdigend. Frau Jelena Krivokapić, Beraterin im Zentrum Novi Sad, berichtet beispielsweise von einem Vater, dessen Kind in Deutschland geboren ist. Er hatte nach der Ablehnung seines Asylantrages und der Rückkehr nach Serbien vergeblich versucht, eine Geburtsurkunde für seinen Sohn in Serbien zu besorgen. Das Angebot der Stadtteilzentren soll auch bei den Behörden bekannter gemacht werden, um durch ein gutes Netzwerk die Roma besser auf ihrem Weg zur Existenzgründung und bei der Jobvermittlung zu unterstützen sowie Diskriminierungen abzubauen.

Ende April findet der erste Gemeindetag statt. Einmal im Monat findet in jedem Stadtteilzentrum ein Gemeindetag statt. Hier werden von den Experten besonders dringliche Themen identifiziert, die auch mehr Aufmerksamkeit und Sensibilisierung in den lokalen Behörden benötigen. Gemeinsam mit den lokalen Autoritäten werden Maßnahmen beraten, die zur Umsetzung von mehr Teilhaberechten der Roma führen. Zurzeit rückt der Termin der Schulanmeldungen wieder in den Vordergrund. Die Zentren versuchen, die Schulen für die besondere Lage der Roma zu sensibilisieren und unterstützen die Betroffenen bei der Überwindung der vielen bürokratischen Hürden einer Einschulung. In Serbien besuchen durchschnittlich 89 Prozent der Schüler*innen die Sekundarschule. Jedoch nur 22 Prozent der Kinder aus Roma-Siedlungen. Oft kommt es zu Bildungsisolation und Hindernissen bei der Schulanmeldung. Das Recht auf Bildung wird systematisch beschnitten. Überdurchschnittlich oft besuchen Roma-Kinder Sonderschulen oder werden in Regelschulen, die ausschließlich für Roma-Kinder sind, untergebracht. Die Arbeit der Stadtteilzentren soll zu einer Verbesserung der gesellschaftlichen Akzeptanz beitragen und so helfen, den Kindern eine Perspektive zu ermöglichen.