Nachrichten

29.03.2018

Indien: Fairer Handel schafft soziale Gerechtigkeit

Die Tribal Tea Producer Company im indischen Tamil Nadu strebt eine Fair-Trade-Zertifizierung für ihren grünen Tee an. Die Adivasi-Selbstorganisation geht mit ihrer Arbeit einen ökologisch, nachhaltigen Weg, verbessert das Einkommen der Minderheit und stärkt die Position der Frauen. Hanna Gebhard von der Fairhandels-Organisation El Puente erklärt, wie Fairer Handel die Produzent*innen stärkt. Mit Gebhard sprach Susanne Wienke, Program-Managerin Asien von SODI.

Zwei indische Frauen pflücken Tee

Die Tribal Tea Producer Company im indischen Tamil Nadu strebt eine Fair-Trade-Zertifizierung für ihren grünen Tee an. © CTRD

Susanne Wienke (SW): Sie schreiben auf Ihrer Website, dass El Puente nicht gewinnorientiert ist und nach anspruchsvollen Fairhandelskriterien arbeitet. Welches sind die wichtigsten Kriterien?

Unsere Fairhandelskriterien orientieren sich an den zehn Standards des Fairen Handels, welche die World Fair Trade Organization (WFTO) formuliert hat. Unsere Partnerorganisationen in den Ländern des Südens arbeiten streng nach den Kriterien des Fairen Handels. Ein wichtiges Kriterium dabei sind die Arbeitsbedingungen. So unterbinden sie zum Beispiel ausbeuterische Kinderarbeit und sorgen dafür, dass die Kinder der Produzentenfamilien die Schule besuchen können.

Ebenso legen wir auf die Einhaltung von Arbeits- und Sozialstandards wert, die bei weitem nicht überall auf der Welt selbstverständlich sind. Unsere Partnerorganisationen sorgen für eine erhöhte Sicherheit am Arbeitsplatz der Produzenten. Sie setzen sich für ein angenehmes soziales Klima und für die Grundabsicherung der Arbeiter und ihrer Familien bezüglich Krankheit und Rente ein.

Ein weiteres Kriterium sind für uns gerechtere, von den Produzenten kalkulierte Preise. Geltende Fairhandels-Mindestpreise stellen für El Puente das absolute Minimum dar, unsere Zahlungen gehen zumeist darüber hinaus. El Puente gewährleistet eine bis zu 100prozentige, zinsfreie Vorfinanzierung. Auf diese Weise können unsere Partner unabhängig wirtschaften und nötige Investitionen tätigen, ohne von teuren Krediten abhängig zu sein.

SW: Welche Voraussetzungen müssten Produzenten-Organisationen wie die Tribal Tea Producer Company der lokalen Partnerorganisation CTRD erfüllen, um mit El Puente zusammenzuarbeiten?

Um mit uns zusammenzuarbeiten, müssen Produzenten nach den Kriterien des Fairen Handels arbeiten. Unsere Kriterien orientieren sich, wie schon gesagt, an den zehn Standards des Fairen Handels der WFTO. Dazu zählt zum Beispiel, dass die Produzenten nach basisdemokratischen Strukturen organisiert sind. Auch arbeiten wir ausschließlich mit Kleinbauern-Kooperativen, Familienbetrieben und lokalen Fairhandels-Organisationen zusammen. Ein Ziel des Fairen Handels ist es, wirtschaftlich benachteiligten Kleinproduzenten neue Absatzmärkte zu verschaffen. Sichergestellt muss zudem sein, dass die Produzenten Umwelt- und Sicherheitsstandards einhalten. Ausbeuterische Kinderarbeit ist ausgeschlossen.

SW: Wie überprüft El Puente, dass die Handelspartner die Kriterien erfüllen?

El Puente wird regelmäßig von der WFTO geprüft. Stichprobenhaft werden auch unsere Partner von unabhängigen Prüfern besucht. Auf diese Weise wird begutachtet, ob El Puente die zehn Fairhandels-Standards der WFTO in der Praxis konsequent umsetzt.

Zu den Anforderungen der WFTO gehört auch, dass El Puente alle Handelspartner, die nicht selbst durch einen anerkannten Fairhandels-Zertifizierer überprüft werden, in einem Internen Monitoring System überprüfen muss.

Ein unabhängiges Gremium, der Projektpartnerausschuss, überprüft die Einhaltung der Handelskriterien und die Neuaufnahme und Fortsetzung der Handelsbeziehungen. Er setzt sich zusammen aus Mitarbeitern von Weltläden und Mitgliedern des El Puente-Vereins.

SW: Die Handelspartner von El Puente sind in den Partner Comitees (PaCo) zusammengeschlossen. Wie können sich die Mitgliedsorganisationen gegenseitig unterstützen?

Die Mitgliedsorganisationen unterstützen sich durch regelmäßigen Austausch. Beispielsweise treffen sie sich auf der alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Konferenz der World Fair Trade Organization (WFTO). Erstmals haben wir in diesem Jahr einen Design-Workshop für unsere Handelspartner bei uns in Nordstemmen durchgeführt. 12 Kunsthandwerker aus neun Ländern haben eine Woche miteinander verbracht, sich ausgetauscht und unter der Anleitung eines professionellen Produktmanagers gelernt, wie traditionelle Designs mit aktuellen Farbtrends des deutschen Markts kombiniert werden können.

SW: Sind Fair Trade Produkte auch immer ökologisch nachhaltig produziert?

Nein. Unser Lebensmittelsortiment ist derzeit zu etwa 80 Prozent bio-zertifiziert. Dieses erweitern wir kontinuierlich, indem wir unsere Handelspartner bei der Umstellung auf Bio-Anbau unterstützen. Während der mehrjährigen Umstellungsphase auf biologischen Anbau erhalten unsere Partner bereits Preisaufschläge für die entstehenden Mehrkosten.

SW: Wie überzeugen Sie einen Verbraucher, das teurere Fair Trade Produkt zu kaufen?

El Puente ist ein Großhandelsunternehmen. In diesem Sinne haben wir wenig direkten Kontakt mit Endverbrauchern. Vielmehr konzentrieren wir uns auf unsere Hauptkundengruppe:  die etwa 800 Weltläden und 800 Aktionsgruppen in Deutschland. Unsere vier Außendienst-Mitarbeiter besuchen sie regelmäßig und unterstützen sie durch Verkaufsschulungen, Sortimentsberatungen und Workshops zu Themen rund um den Fairen Handel.

Die Idee des Fairen Handels machen wir durch unsere Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit bekannter. Konkret geschieht dies durch Workshops und Vorträge, die wir in unserem Tagungszentrum, auf Messen und Weltladen-Veranstaltungen durchführen. Weiterhin stellen wir Informationen rund um den Fairen Handel, zu Produkten und Handelspartnern auf unserer Webseite und Info-Materialien wie Flyer und Broschüren zur Verfügung.

Unterstützen Sie die indische Teekooperative auf ihrem Weg zu Fairem Handel!